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Friedrich Kurrent: Roher Ziegel im Kirchenbau

Herr Univ.-Prof. Architekt Friedrich Kurrent absolvierte sein Architekturstudium bei Clemens Holzmeister in Wien. Er ist gründendes Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Architektur und Träger zahlreicher Ehrungen und Preise, unter anderem wurden Ihm der "Preis der Stadt Wien für Architektur" und das "Österrreichische Verdienstkreuz für Wissenschaft und Kunst, 1. Klasse" verliehen. An der Technischen Universität München war er Ordinarius des Lehrstuhles für "Entwerfen, Raumgestaltung und Sakralbau".

 


Die St. Laurentius Kirche in Kirchham (Oberösterreich) wurde nach siebenjähriger Planungsgeschichte – Ende November 1998 – geweiht und Ihrer Bestimmung übergeben. Vom Verband Österreichischer Ziegelwerke wurde nachfolgendes Interview mit Univ.-Prof. Architekt Friedrich KURRENT geführt.

Direkt neben der spätgotischen Hallenkirche fügt sich die neue St. Laurentius-Kirche sehr harmonisch und beinahe unauffällig mit ihren 75 cm dicken, außen verputzten Ziegelwänden in die umgebende Bebauung ein. War nicht ursprünglich eine Steinverkleidung geplant?

Die alte Kirche ist in Kremsmünsterer Konglomerat errichtet. Ursprünglich wollte ich auch die neue Kirche in demselben Material bauen. Der Steinbruch in Kremsmünster war zwar bereits aufgelassen, aber Kostengründe verhinderten diese Ausführungsart mit verwandten Materialien. Mehrere Stufen markierten den Rückzug: Vom massiven Steinmauerwerk über Steinverkleidung innen und außen; dann nur mehr außen – auch dies war noch immer zu teuer. Bei einer Gesamtbaukostensumme von 25 Millionen Schilling war dies noch immer eine Differenz von 2 Millionen.

Der Kirchenbau erforderte des Untergrundes wegen, Pfahlgründungen. Stahlbetonpfeiler im Querschnitt 30 x 40 cm bilden ein konstruktives "Korsett", das in der 75 cm starken Ziegelmauer steckt; die Pfeiler im Abstand von 3 Metern sind also ummauert. Die Dicke der Mauer erforderte keine sonstige Wärmedämmung.


Ich habe das Gefühl, dass sich gerade durch die Rohziegelwände dieser Eindruck der Harmonie von Außen nach Innen fortsetzt. Gab es Kritik an diesem Plan, die Ziegel roh zu belassen?

Als die Ausführung in Ziegelmauerwerk feststand, dachte ich an Schlämmen des Ziegelmauerwerkes im Innenraum. Wir setzten an einer extra dafür errichteten Raumecke diesbezügliche Muster – vor allem auch Lasur-Muster. Doch der Vergleich mit den Rohziegelwänden hielt nicht stand. Das Mauerwerk ohne jede weitere Behandlung zu belassen war die schönste und billigste Lösung.

Ursprünglich gab es auch Bedenken, dass eine derartige Ausführungsart in diesem oberösterreichischen Landesteil nicht üblich sei und dass der Kirchenraum ärmlich wirken könnte. Doch seit der Fertigstellung und Einweihung sind alle diese Bedenken zerstreut. Die Raumwirkung der Materialien: dunkler Schieferboden, warmgetönte Ziegelwände, offener Holzdachstuhl, in Verbindung mit der Lichtführung über die 12 Fenster mit hellen marmorverkleideten Gewänden wird als wohltuend empfunden.


Wie konnten die Bedenken der Baufirma ausgeräumt werden?

Die größte Schwierigkeit war es, die Bedenken der Baufirma auszuräumen, denn diese war anfangs nicht bereit, die Gewähr gegen die befürchteten Ausblühungen der Ziegelwände zu übernehmen.

Durch genaue Recherchen beim ehemaligen Leiter des Bayrischen Zieglerverbandes, Herrn Dipl.-Ing. Geisel habe ich mich persönlich rückversichert, dass es bei der Zusammensetzung der verwendeten oberösterreichischen Ziegel, bei Vermeidung von Nässe während des Transportes und bei geschützter Lagerung während der Maurerarbeiten nur zu geringfügigen Ausblühungen kommen könne, dass diese dann nach wenigen Wochen trocken abgebürstet und abgesaugt werden müssten um keine herumfliegenden Salzkristalle zu binden.

Genauso war es dann – Alles bestens.


Trotz eines höheren Arbeitsaufwandes und genauerer Arbeitsweise, ist diese Art der Oberfläche preislich interessant ?

Wie schon eingangs gesagt, konnte durch diese Art der Ausführung das niedrige preisliche Limit gehalten werden. Genaue Planungsarbeit (jede Ziegelschar muss gezeichnet werden), erfahrene Maurerarbeit (denn es kann nichts verschwindelt werden) sind Voraussetzungen.



Die Kirche wird über eine Fußbodenheizung beheizt. Haben hier auch die sehr guten Wärmedämm- und Wärmespeicher-Eigenschaften des dicken Ziegelmauerwerks für diese Niedertemperaturheizung eine Rolle gespielt?

Ja, natürlich. Die Fußboden-Niedertemperaturheizung erfordert sehr gute Wärmedämmung. Im Sommer ist die Kirche angenehm kühl.

 

Herr Architekt KURRENT, vielen Dank für das Interview!