| Der Baustoff Ziegel in der Architektur |
![]() |
Der Verband Österreichischer Ziegelwerke führte dieses Interview mit Herrn Dipl.-Ing. Dieter Moser, dem zuständigen Landesbeamten für die Errichtung des Landesarchivs. |
Das
Tiroler Landesarchiv ist eines der größten Landesarchive in Österreich.
Im Laufe seiner vielhundertjährigen Geschichte hat das Tiroler Landesarchiv öfters den
Standort gewechselt. Ursprünglich war es auf Schloss Tirol untergebracht, dann befand es
sich in verschiedenen Räumen der Hofburg, auf Schloss Amras, und zuletzt war das Archiv
auf vier Gebäude in Innsbruck aufgeteilt: Herrengasse, Altes und Neues Landhaus und
Michael-Gaismair-Straße.
In zwei Etappen 1985-1987 und vor allem 1993-1995 konnten die neuen Baulichkeiten in der Michael-Gaismair-Straße errichtet werden. Seit Mitte 1995 ist das Tiroler Landesarchiv einschließlich des Landschaftlichen Archivs an dieser Stelle vereinigt. Es kann sich jetzt modernster Speicher, eines großzügigen öffentlichen Bereiches rund um den Lesesaal und einer räumlich und gerätemäßig gut ausgestatteten Restaurierwerkstätte und Verfilmungsabteilung erfreuen.
Welche Aufgabe hat ein Landesarchiv, konkret das Tiroler Landesarchiv?
Das Tiroler
Landesarchiv versteht sich als dienstleistungsorientiertes Kompetenzzentrum für das
Verwahren, Erhalten und Erforschen dauernd aufzubewahrenden Schriftguts des Landes Tirol.
Es zählt zu den größten Archiven Österreichs und gehörte zu den ersten, die 1866 ihre
Tore für die Forschung öffneten.
Da der territoriale und sachliche Wirkungsbereich der früheren Tiroler Zentralbehörden
wesentlich größer war als jener der jetzigen Landesverwaltung, hat das Tiroler
Landesarchiv über die heutigen Landesgrenzen hinaus eine überregionale Bedeutung.
Nach der Geschäftseinteilung des Amtes der Tiroler Landesregierung obliegt ihm folgender
Aufgabenbereich:
Verwahrung
und Erschließung der im Tiroler Landesarchiv vereinigten Archive (Zentralarchiv für
Tirol)
Gemeindeheraldik
Das ist ja eine Fülle von Aufgaben. Das Landesarchiv wurde wie bereits oben erwähnt in
den Jahren 1985-1987 und 1993-1995 am jetzigen Standort errichtet bzw. erweitert. Von
welchen baulichen Dimensionen sprechen wir hier?
Wie Sie aus den nachstehenden detaillierten Ausführungen erkennen können, handelt es
sich von der Größenordnung her um eine bedeutende Baumaßnahme;
Im sanierten und adaptierten Altbau der Michael-Gaismairstraße sind die Verwaltung und
die Restaurierungswerkstätten mit Verfilmungsabteilung des Tiroler Landes-archives
untergebracht.
Die dazugehörenden Silos 1-2 sind großteils unterirdisch, die Silos 3-4 gänzlich
unterirdisch angeordnet.
Die Größe des Bauplatzes (mit saniertem Altbau, in welchem auch der UVS
Unabhängige Verwaltungssenat und andere Fachabteilungen des Landes untergebracht sind)
beträgt 7.389 m². Der neu errichtete umbaute Raum (vor allem Speicher, sowohl ober- als
auch unterirdisch) beträgt etwa 11.800 m³.
Und zwar:
| Silo 1 | ca. 4.735 m³ |
| Silo 2 | ca. 3.250 m³ |
| Silo 3 | ca. 2.000 m³ |
| Silo 4 | ca. 1.750 m³ |
| zusammen | ca. 11.735 m³ |
Um das
architektonische Erscheinungsbild des nach Süden offenen Altbaues mit Innenhof zu
bewahren, wurde formal getrachtet, die notwendigen Speicherkubaturen möglichst
unterirdisch zu errichten. Unter Gänsefüßchen deshalb, weil es
sich nur auf den ersten Blick um unterirdische Anlagen handelt. Die Außenmauern der
Speicher aus monolithischem Ziegelmauerwerk mit 50 cm Dicke wurden nämlich luftumspült,
d.h. mit Abstand einer Gangbreite, in eine dichte zwei Untergeschoße tiefe
Stahlbetonwanne gesetzt, das Dach der Speicher wurde begrünt und erscheint weiterhin wie
ein grüner Innenhof. Lediglich eine Vielzahl von Glaspyramiden und Lichtbändern
belichten und belüften die darunter liegenden Arbeits- und Funktionsräume.
Gehen wir etwas näher auf die Bauweise ein. Welche Wandkonstruktion wurde für die neuen
Baulichkeiten gewählt?
Dem großen Neu- und Erweiterungsbau lagen frühere technische Überlegungen und
Erkenntnisse, die sich schon 1985-1987 beim Archivspeicher I bewährten, zugrunde. Dieses
Konzept ist das Ergebnis von Untersuchungen, die gemeinsam mit dem Archiv durchgeführt
wurden auf Grund von Recherchen und Analysen von einschlägigen bauphysikalischen
Gutachten bestehender deutscher Archive und Besichtigungen von Archiven im
mitteleuropäischen Raum. Dieser Archivspeicher I war bereits hochbautechnisch so
konzipiert, dass eine Klimaanlage nicht notwendig war.
Wo immer möglich, wurden bei der Errichtung der Wände 50 cm dicke Hochloch-Tonziegel
verwendet. Die Be- bzw. Entlüftung der Speicher wurde durch Potterien gewährleistet, die
Lüftungsöffnungen sind mit Ventilklappen versehen und knapp über dem Boden bzw. knapp
unterhalb der Decke angeordnet. Je nach Jahreszeit wurde die obere oder die untere Klappe
geöffnet bzw. geschlossen. Um die Atmungsaktivität des Mauerwerks zu
gewährleisten, mussten natürlich auch der Innenputz und die Wandfarben diffusionsoffen
sein.
Die
Umfassungswände wurden als monolithisches Ziegelmauerwerk in der Dicke von 50 cm
ausgeführt. Welche Erwartungen gab es bzw. welche Erfahrungen wurden damit in der
Bauphase gemacht?
In erster Linie wegen der klimatischen Vorteile des Ziegels bezüglich des
Ausgleichsvermögens (Puffervermögen) von Luftfeuchte und Temperatur wurde in Abstimmung
mit dem Landesarchiv dem monolithischen Ziegelmauerwerk der Vorzug gegeben.
Wie die nunmehr langjährige positive Erfahrung zeigt, waren die seinerzeitigen
hochbautechnischen Überlegungen grundsätzlich richtig, das Raumklima, das dreimal
täglich kontrolliert wird, weist die für Archivalien erforderlichen Werte auf.
Übrigens: Die guten Erfahrungen beim Betrieb des Landesarchivs bewogen mich selbst dazu,
beim Neubau meines Eigenheimes auch diese 50 cm dicke Hochloch-Ziegelkonstruktion zu
verwenden. Ich habe diese Entscheidung niemals bereut. Einzige Anregung zur Verbesserung:
Vielleicht kann man das Ziegelformat so adaptieren, dass zwecks Erleichterung der
Verarbeitung der einzelne Ziegel leichter würde.
Besonders interessant ist auch die Tatsche, dass das Tiroler Landesarchiv vollkommen auf
eine Klimaanlage verzichtet, vor allem auch im Hinblick auf die umfangreichen
geschichtlichen Sammlungen des Landesarchivs. Wie hat sich das in der siebenjährigen
Nutzungsphase bewährt?
Das ganze Bauwerk hat sich bisher sehr gut bewährt.
Die Klimaschwankungen werden durch händisches Öffnen und Schließen der Fenster bzw.
durch Öffnen und Schließen der Lüftungsklappen (natürliche Schwerkraftlüftung) wieder
ausgeglichen
Würden Sie im Lichte der Erfahrung aus dieser siebenjährigen Nutzungsphase bei der
Planung oder den Baumaterialien Änderungen vornehmen?
Nein.
Kann
man hier sagen: Intelligente Planung und Bauweise kombiniert mit dem natürlichen Baustoff
Ziegel führte und führt zu geringen Betriebskosten, weil unter anderem auf eine
Klimaanlage verzichtet werden konnte?
Die enge Zusammenarbeit zwischen Gebäudenutzer also dem Tiroler Landesarchiv
und der Planung, mit Berücksichtigung der Archivspezifischen Anforderungen,
ergaben als Resultat die zuvor geschilderte Bauweise mit dem bekanntlich schon seit dem
Altertum bewährten und geschätzten Baustoff Ziegel.
Da auf eine Klimaanlage verzichtet werden konnte, reduzierten sich nicht nur die
Investitionskosten wesentlich, auch die nicht zu vernachlässigenden laufenden
Betriebskosten verringerten sich merkbar bei gleichzeitiger gleichmäßiger Klimatisierung
aller Archivbereiche.
Herzlichen Dank für die interessanten Ausführungen zur Bauweise des Tiroler
Landesarchivs.