| Der Baustoff Ziegel in der Architektur |
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In Telfs wird der Ortsteil Puite als Verbindung zwischen den Ortsteilen
Unterbirkenberg und Sagl nach einem von Architekt Peter Lorenz geplanten städtebaulichen
Konzept in den nächsten Jahren verbaut. In drei Stufen entstehen Infrastruktureinrichtungen (Geschäftsflächen, Kindergarten, Volksschule und eine Kirche) und ca. 300 Wohneinheiten von drei Bauträgern. Der Verband Österreichischer Ziegelwerke führte folgendes Interview mit Herrn Dir. Dr. Peter Hanser, einem der Geschäftsführer des Tiroler Bauträgers Wohnungseigentum und mit dem planenden Architekten des Projektes in Telfs Puite, Herrn Architekt Dipl.-Ing. Roman Schwaighofer. |
Beginnen wir mit dem Bauträger der Tiroler gemeinnützigen Wohnbaugesellschaft
m.b.H. Wohnungseigentum (WE). Stellen Sie uns bitte ihre Wohnbaugesellschaft
kurz vor.
Die WE ist seit 1954 der starke Tiroler Träger der Idee des Wohnungseigentums und
übernahm die Vorreiterrolle beim Revitalisieren alter Bausubstanz in den Ortskernen; das
Neue Wohnen in alten Häusern wurde dadurch wieder attraktiv. Die Gesellschafter der
Wohnungseigentum sind namhafte Unternehmen der Tiroler Wirtschaft - die Hypo Tirol, die
Tiroler Sparkasse, die Tiroler Versicherung und die UNIQA. Als unabhängiger,
gemeinnütziger Wohnbauträger unterliegt die WE einer strengen Kontrolle. Gebarung und
Geschäftspolitik werden von den Aufsichtsräten und Gesellschafterversammlung, dem
Revisionsverband und dem Amt der Tiroler Landesregierung geprüft.
Nach über 40 Jahren ihrer Tätigkeit ist die WE mittlerweile in 100 Gemeinden Tirols
DAHEIM.
Die Schaffung von zeitgemäßem Wohnraum in wertbeständiger Qualität bei
größtmöglicher Wirtschaftlichkeit steht bei der Planung und Umsetzung jedes
WE-Bauvorhabens im Vordergrund der Bemühungen. Weiters leistet die WE durch die
Übernahme des Baumanagements auch einen wertvollen Beitrag bei der Realisierung von
Kommunalobjekten.
Neben der Errichtung erschwinglicher Eigentums- und Mietwohnungen ist durch die
WE-Hausverwaltung auch für die Folgejahre ein sachkundiger und kostengünstiger Service
bei der Bewirtschaftung der Wohnanlagen gegeben.
Auf über 20 Baustellen in ganz Tirol sehen jährlich 200 bis 250 Eigentums- bzw.
Mietwohnungen ihrer Vollendung entgegen, wobei ein Volumen von ca. 29 Millionen Euro
investiert wird.
Im Bereich der Hausverwaltung werden tirolweit rund 9.000 Wohneinheiten betreut. Der
Verwaltungsumsatz von über 50,9 Millionen Euro für Instandhaltungen, Kleinreparaturen,
Kommunalabgaben und dgl. stellt durch die Auftragsvergabe an kleinere heimische
Gewerbebetriebe einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Sicherung der Arbeitsplätze in den
örtlichen Bereichen dar.
Die nächste Frage an Herrn Architekt Schwaighofer. Was ist für Sie Architektur?
Die Architektur hat für mich neben den kreativen und technischen Aspekten eine große soziale Verantwortung in der Gestaltung des Lebensraumes unserer Gesellschaft.
Zum konkreten
Bauvorhaben in Telfs Puite. Ist dieses Projekt eines von vielen Projekten der WE oder gibt
es hier Besonderheiten?
WE startet pro Jahr an die 10 - 12 neue Projekte, dieses hebt sich jedoch deutlich von den anderen ab. Schon die Größe des gesamten Bauvorhabens ist für Tiroler Verhältnisse überdurchschnittlich, da gemeinsam mit 2 anderen gemeinnützigen Bauträgern eine Fläche von ca. 3,5 Hektar erworben wurde. Die Projektabwicklung erfolgt in enger Kooperation der 3 Wohnbaugesellschaften und der Marktgemeinde Telfs und sieht dem städtebaulichen Konzept von Herrn Architekt DI Peter Lorenz folgend die Realisierung in mehreren Baustufen vor. Die 2. Baustufe der WE wird in Form eines Passivhauses gebaut und zählt damit zu den ersten derartigen Bauvorhaben im mehrgeschossigen Wohnbau in Tirol. Gleichzeitig haben wir uns dazu entschlossen, erstmals objektive und ganzheitliche Qualitätskriterien und das TQ-Zertifikat durch die ARGE TQ und die Mitarbeit des VÖZ zu erwerben.
Herr Architekt
Schwaighofer, was ist für Sie an diesen Gebäuden spannend?
Nachdem in Tirol nun schon einige Beispiele von Passivhäusern errichtet wurden, zuerst
kleinere Bauvorhaben, in letzter Zeit aber auch sehr große Projekte, ist es für uns nun
sehr interessant, gemeinsam mit der WE in diese Richtung zu gehen. Erstmals wird jedoch
bei einem größeren Projekt ein Passivhaus in Massivbauweise mit
Ziegel-Zweischalenmauerwerk ausgeführt. Das gesamte Projektteam beschäftigt sich sehr
intensiv mit dem Thema Passivhaus, es wurden die bestehenden Projekte genau analysiert,
versucht daraus zu lernen und bekannte Fehler zu vermeiden.
Das Wichtigste bei der Umsetzung eines Passivhauses, gerade im ländlichen Bereich, ist
die Praxistauglichkeit, das heißt den Bewohnern, in diesem Fall Mietern, muss die
Benützung so einfach wie möglich gemacht werden. Dennoch müssen die Bewohner ein
Bewusstsein für die Häuser entwickeln, es muss Ihnen zum Beispiel klar werden, dass sie
zwar die Fenster öffnen können, jedoch sollten sie nicht den ganzen Tag gekippt bleiben,
um Wärmeverlust zu vermeiden. Die Lüftung der Wohnungen erfolgt ja über die
kontrollierte Wohnraumlüftung auch bei geschlossenen Fenstern.
Ein Aspekt hat mich in dieser
Tiefe und Entschlossenheit überrascht. Das Thema Feng Shui wird hier für die
Passivhäuser sehr detailliert und mit Konsequenz durchgezogen. Warum?
Zum Thema Feng Shui war ich anfänglich eher skeptisch eingestellt, doch es hat sich unser Technischer Leiter, Herr Prok. Ing. Seidl, sehr dafür engagiert und mich letztlich auch davon überzeugt. Betrachtet man Bauen und Wohnen aus ganzheitlicher Sicht, so kann Feng Shui einen nicht unwesentlichen Beitrag leisten. Unsere bisher damit gemachten Erfahrungen zeigen, dass dieser ganzheitliche Ansatz bei unseren Kunden sehr gut ankommt und sich letztlich auch positiv für unsere Funktion als Bauträger auswirkt.
Welche Architektur haben Sie für die Häuser geplant?
Kompakte Baukörper mit einer möglichst geringen Oberfläche zur Reduzierung des
Wärmeverlustes mit großen Fensterflächen nach Süden bzw. Westen zur bestmöglichen
Ausnutzung der passiven Sonnenenergie.
Interessant ist, dass sowohl für das Passivhaus als auch im Sinne des Feng-Shui der
kompakte Baukörper, ohne viele Rück- und Vorsprünge, die optimale Bauform ist.
Noch einmal zum ganzheitlichen Ansatz für diese zwei Passivhausbauten. Für beide
Häuser wird ein Qualitätspass nach den Richtlinien des Total Quality erstellt. Was
versprechen Sie sich davon?
Total Quality ein Forschungsprojekt im Auftrag dreier Bundesministerien
soll Wohngebäude nach objektiven und ganzheitlichen Qualitätskriterien bewerten. Wichtig
ist uns die Transparenz mit Nachprüfbarkeit und Nachvollziehbarkeit.
Ein Stichwort ist die Erhöhung der Nachhaltigkeit im Bereich des Bauens und Wohnens. Wir
wollen unsere Gebäude so errichten, dass wir den Bedürfnissen der gegenwärtigen
Generation ohne Folgeschäden zu Kosten kommender Generationen entsprechen können.
Beeinflusst dieser Total Quality Ansatz Ihre Arbeit und Planung. Was halten Sie davon?
Der Arbeitsaufwand in der Anfangsphase des Projektes ist natürlich größer aber umso mehr Grundlagen beziehungsweise Planungsziele definiert sind umso leichter wird das Erreichen des gesamtheitlichen Projektansatzes. Total Quality ist ein sehr bewusster Weg, der das Ziel der ressourcenschonenden Umsetzung von Bauvorhaben gut begleitet.
Welche Rückmeldungen haben Sie schon zu diesem Projekt in Passivhausqualität
erhalten? Welche Zukunft wünschen Sie sich für diese Bauten?
Bisher haben wir nur die Standortgemeinde Telfs mit dem Thema Passivhaus befasst und sind dort auf ein sehr positives Echo gestoßen. Die zukünftigen Bewohner und die Öffentlichkeit werden wir in einigen Monaten darüber informieren und hoffen auf ein ähnliches Ergebnis. Für diese Bauten wünschen wir uns eine deutliche Senkung der Bewirtschaftungskosten und eine höchstmögliche Baumängelfreiheit ohne Beeinträchtigung der Wohnqualität.
Was sind die nächsten konkreten Schritte in der Arbeit?
Die Baugenehmigung wurde vor kurzem erteilt und wir befinden uns nun in der Detailplanungsphase. In dieser Phase ist das Zusammenspiel aller an der Planung Beteiligten besonders wichtig um wirtschaftlich und technisch optimale Detaillösungen für die bauliche Umsetzung zu finden.
Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit bei diesem ganzheitlichen Projekt, wünschen
für die Umsetzung viel Erfolg und bedanken uns bei Herrn Architekt Schwaighofer und Herrn
Dir. Hanser für das Interview und bitten beide Herren um ein abschließendes Wort.
Schwaighofer:
Die Zusammenarbeit zwischen Industrie, Bauherren und Planern ist ein nahezu idealer Fall,
da alle Beteiligten an einem Strang ziehen und die Umsetzung des Projektes dadurch
erleichtert wird.
Hanser:
Der Wohnungsmarkt hat sich in Tirol in den letzten Jahren deutlich verändert und aus dem
Verkäufermarkt ist ein Käufermarkt geworden. Es steht ein größeres Wohnungsangebot zur
Verfügung und nur in seltenen Fällen sind vor Baubeginn bereits alle Wohnungen vergeben.
In der Regel wird der endgültige Kaufentschluss während der Rohbauphase getroffen,
sodass sich der Interessent bereits ein konkretes Bild vom Bauvorhaben und den damit
verbundenen Qualitätskriterien machen kann. Dabei spielt für uns auch die Verwendung des
gebrannten Ziegels eine große Rolle, da dieses Produkt seitens der Wohnungswerber sehr
positiv besetzt ist und entsprechend stark nachgefragt wird.