| Der Baustoff Ziegel in der Architektur |
![]() |
Im Ortsteil Linz-Bindermichl entstehen 14 Einfamilienhäuser mit einem
innovativen Gesamtkonzept. Der Bauträger WAG (Wohnungsanlagen GesmbH.), ein sehr großer
oberösterreichischer Bauträger mit Sitz in Linz, möchte hier mit den von Architekt
Ableidinger aus Linz geplanten Häusern den Weg in Richtung Energieeinsparung und
Bauökologie weiter beschreiten. Gemeinsam mit dem Verband Österreichischer Ziegelwerke
werden dabei neue zukunftsweisende und innovative Konzepte umgesetzt. Nachfolgendes Interview wurde vom Verband Österreichischer Ziegelwerke mit Herrn Ing. Heinz EDLER dem Leiter der Abt. Technik Projektentwicklung der WAG geführt. |
Stellen Sie uns die WAG und die Bautätigkeit der WAG bitte kurz vor.
Der Großausbau der österreichischen Schwerindustrie vor dem Zweiten Weltkrieg führte
zu einer Erhöhung der Arbeitskräfte und des Wohnungsbedarfes. Weil dafür kein
ausreichend leistungsstarkes gemeinnütziges Wohnungsunternehmen vorhanden war, wurde im
Juni 1938 die Wohnungsaktiengesellschaft Linz gegründet.
Im Jahr 1998 stellt sich die WAG mit neuem Namen Wohnen und mehr und neuem
Erscheinungsbild vor.
Neben zeitgemäßem Wohnkomfort in einem harmonischen Umfeld, bedeutet Wohnen und
mehr vor allem kundenfreundliche Beratung und spezielles Service rund ums Wohnen.
Die Bauleistung im Neubau und in der Sanierung betrug im letzten Jahr ca. 714 Millionen
Schilling. Unser Bestand an verwalteten Wohnungen liegt bei ca. 24600 Wohneinheiten, davon
entfallen mehr als 70% auf Oberösterreich.
Bei der
WAG und dem Architekturbüro Ableidinger laufen derzeit die Planungen für das innovative
Projekt Hamoder IV/3 in Linz-Bindermichl. Welche Voraussetzungen müssen Sie für dieses
Projekt berücksichtigen?
Einerseits liegt das Projekt in einer schönen, relativ zentrumsnahen, unverbaubaren
Lage mit freiem Blick nach Süden. Andererseits gibt es vor allem in der Nacht
einen gewissen Lärmeinfluss von der Stadtautobahn.
Wie reagieren Sie in der Planung bzw. in den Planungsvorgaben auf diese
Rahmenbedingungen?
Wir regieren mit einem Passivhauskonzept mit einer optimierten Gebäudehülle und einem
vom Architekten geplanten Doppelhauskonzept.
Eine kontrollierte Wohnraumlüftung soll für gleichmäßig gute Luft auch in der
Nacht sorgen. Die Außenwände in Ziegel-Zweischalenmauerwerksbauweise bieten
optimalen Wärmeschutz und Lärmschutz.
Weitere Planungsaspekte sind:
- Doppelhäuser mit Garage im Bauwich
- Terrasse über Garage
- Sehr variable Raumgestaltung (drei verschiedene Grundrissvarianten)
- Loggia im Erdgeschoß als geschützter Sitzplatz
- teilweise Kastenfenster, welche auch in geöffnetem Zustand eine sehr gute
Schalldämmung haben
- Nach Süden orientierte Solarkollektoren ergänzen die Warmwasserbereitung.
![]() |
![]() |
Wie wird dieses Passivhaus-Konzept konkret bei der Wand und den notwendigen Details
umgesetzt?
Das Ziegel-Zweischalenmauerwerk besteht aus 17 cm Ziegelinnenschale, 23 cm
Mineralwollekerndämmung und 10 cm Ziegelaußenschale. Dies garantiert eine sehr gute
Wärmedämmung (U-Wert unter 0,15 W/m²K) und sehr gute Schalldämmwerte (Bewertetes
Schalldämm-Maß RW der Wand = 70 dB) gegen den Lärm von außen. An den Südfassaden
werden Kastenfenster mit sehr niedrigem U-Wert und sehr guter Schalldämmung eingebaut.
Alle anderen Fenster sind passivhaustaugliche Fenster mit Wärmedämmverglasung.
Die Planung passivhaustauglicher Wanddetails erfolgt nach den Erkenntnissen des Verbandes
Österreichischer Ziegelwerke in Verbindung mit den Details des Architekturbüros
Ableidinger.
Kennen Sie das Ziegel-Zweischalenmauerwerk schon aus der Praxis?
Nein, bei Projekten der WAG wurde diese Wandsystem noch nicht verwendet. Das Wandsystem
als solches ist natürlich bekannt.
Der Verband Österreichischer Ziegelwerke ist als Partner in dieses Projekt involviert.
Nach der Planung bzw. Fertigstellung soll für dieses Projekt ein Qualitätszertifikat
nach dem GBC(Green Building Challenge)-Bewertungssystem durch die ARGE Total Quality
erstellt werden. Was halten Sie davon?
Die Grundidee und das Angebot kam vom Verband Österreichischer Ziegelwerke. In einer
Veranstaltung wurde uns der Inhalt und die Umsetzung näher gebracht.
Der Ansatz Total Quality beeinflusst schon die Planung und hilft, hier möglicherweise
Kosteneinsparungspotentiale freizusetzen.
Unser Interesse an diesem innovativen Ansatz ist sehr groß. Wir können sicherlich
dazulernen und nicht zu vergessen ist, dass das Ergebnis der Qualitätspass
für uns ein gutes Verkaufs- und Marketingargument darstellt.
Unser Erscheinungsbild Wohnen und mehr passt auch gut zu den TQ-Kriterien. In
die ganzheitliche Betrachtung werden praktisch alle maßgeblichen Beurteilungskriterien
einbezogen und bewertet:
Damit werden umfassend alle für die Qualität des Bauwerkes relevanten Aspekte erfasst.
Verwendet die WAG gerne den Ziegel als Baustoff bei Ihren Projekten?
Ja. Die Entwicklung ging vom Schüttbeton einem Baumaterial der Aufbauzeit
über zum Ziegel. Und beim Ziegel sind wir durch die guten Erfahrungen auch
geblieben. Unser letztes Haus in Schüttbeton wurde Anfang der 70-er Jahre errichtet. Dann
wurde fast schlagartig auf die Ziegelbauweise umgestellt. Im Großprojekt Ebelsberg
Ennsfeld wurde die Wohnanlage mit 1332 Wohneinheiten ausschließlich mit der
monolithischen Außenwanddicke 50 cm Ziegel aufgebaut.
Gibt es schon weitere Projekte in dieser Richtung bzw. können Sie sich weitere solche
Projekte vorstellen?
Ein ganz ähnliches Reihenhaus-Projekt allerdings als Niedrigenergiehaus konzipiert wird gleichzeitig in Leonding Hart IX geplant.
Wir wünschen für die Umsetzung dieses interessanten und innovativen Projekts viel Erfolg
und bedanken uns bei Herrn Ing. EDLER und der WAG für das Interview!