| Die Geschichte des Ziegels |
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| IM ERSTEN BUCH MOSES STEHT: |
Wohlauf, lasst uns
Ziegel streichen und brennen!" Und nahmen Ziegel zu Stein und Erdharz zu Kalk und sprachen: Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, dass wir uns einen Namen machen"!" Doch zu Lebzeiten dieses Gesetzgebers hatte der Ziegel schon eine lange Geschichte; vielleicht ist er so alt wie die Menschheit selbst. Fest steht jedoch, dass der Ziegel bereits am Beginn der uns bekannten Kulturen verwendet wurde. |
| ANFÄNGE DER ZIEGELHERSTELLUNG: |
In Ägypten wurde
Nilschlamm mit etwas Kamelmist vermischt, in die gewünschte Form gebracht und in der
Sonne getrocknet. Im Zweistromland Mesopotamiens wurden schon 4000 Jahre v. Chr. Ziegel
gebrannt. 1000 Jahre später erreichte dort der Ziegelbau einen Höhepunkt. Damals konnte
man Ziegel schon in den verschiedensten Farben herstellen. In diese Zeit fallen auch die
ersten monumentalen Tempelbauten, wie der in Uruk. Um 2000 v. Chr. ist der Urbau des
eingangs erwähnten Turmes zu Babylon entstanden, der mehrfach zerstört, aber ebensooft
an derselben Stelle wieder aufgebaut wurde. Noch heute stehen in der Umgebung Häuser und
Hütten, die aus den jahrtausendealten Ziegeln des Turmes zu Babel gebaut wurden. Die
jetzt noch dort vorzufindenden Ziegel sind so hart und scharfkantig, als wären sie eben
erst hergestellt worden. |
| HOCHKULTUREN IM ZWEISTROMLAND: |
| ZIEGEL IN ANDEREN KULTUREN: |
Es würde zu weit
führen, die Entwicklung des Ziegelbaues in den Kulturen Persiens, Indiens, Indochinas,
Chinas und des islamischen Raumes zu beschreiben. Besonders die islamische Kultur hat es
zu einer Meisterschaft in der ornamentalen Verwendung des Ziegels gebracht, die nie mehr
erreicht wurde. Erwähnt soll noch werden, dass der Ziegel in China eine andere
Entwicklung genommen hat: Hier wird erstmalig das Dach und damit der Dachziegel
zu einem beherrschenden Element. Dem Dach fällt hier nicht nur die Aufgabe des
Bedeckens und des Schützens zu, hier ist das Dach der eigentliche Bau selbst. |
| DER ZIEGEL IM ALTEN ROM: |
Im gesamten Abendland
wurde die Kunst der Ziegelherstellung von den Römern verbreitet. Wo immer ihre Feldzüge
hinführten: den Ziegel brachten sie mit. Der praktische Sinn der Römer begriff sofort
die Vorzüge des Ziegels für den Gewölbebau, wie zahlreiche, noch heute erhaltene
Beispiele, beweisen. Mit der beherrschenden Stellung des Ziegels im Römischen Reich war
er zum bevorzugten Baustein der gesamten Welt geworden. |
| ZENTREN DES ZIEGELBAUES IM MITTELALTER: |
| Im Mittelalter bildeten sich seit dem zwölften Jahrhundert die Lombardei, Frankreich und Deutschland als Zentren des Ziegelbaues aus. Der Ziegel fand von der Romanik über die Gotik bis zur Renaissance immer mehr Verbreitung. Herrliche Ziegelbauten aus Handschlagziegeln in allen Schattierungen finden sich vor allem in den nordeuropäischen Staaten, insbesondere in Norddeutschland, Belgien, Holland, Skandinavien und England. |
| DIE MASCHINELLE ZIEGELHERSTELLUNG: |
Die maschinelle
Ziegelherstellung führten als erste die Engländer ein. Bahnbrechende Entwicklungen in
der Ziegelindustrie wurden aber in Deutschland gemacht: Die erste brauchbare Strangpresse
des Berliner Fabrikanten Schlickeysen (1854) und der 1858 als preußisches und
österreichisches Patent gemeldete Ringofen des Baumeister Friedrich Hoffmann. |
| ZIEGELHERSTELLUNG IN ÖSTERREICH: |
In Österreich lag die
Ziegelherstellung bis vor 200 Jahren zunächst in den Händen umherziehender italienischer
Familien, die an Ort und Stelle Tonvorkommen suchten, die Ziegel herstellten und oft auch
bei der Errichtung der Gebäude beteiligt waren. Ihr Einfluß ist noch heute u.a. an den
ornamentalen Scheunengittern alter Bauernhäuser zu erkennen. Ziegelöfen wurden zunächst
meist direkt bei den einzelnen Bauvorhaben errichtet und dienten nur für diese. Später
hielten sich Grafschaften und Klöster ihre eigenen Ziegelwerke - ausschließlich für den
eigenen Bedarf. Dies erklärt auch, dass man, historisch gesehen, in Summe von ca. 5.000
Ziegelwerken mit ca. 20.000 Ziegel alleine in Österreich ausgehen kann. |
| DIE INDUSTRIELLE ZIEGELHERSTELLUNG IN ÖSTERREICH: |
| Mitte des 18. Jahrhunderts wurde auf Veranlassung von Kaiserin Maria Theresia der k.u.k. Ziegelofen am Wienerberg errichtet. In dieser Produktionsstätte wurden um 1780 bereits eine Million Mauerziegel jährlich hergestellt. Im Jahre 1820 wurden einige umliegende Werke angeschlossen und das Unternehmen produzierte 1849 bereits 30 Millionen Mauerziegel und vier Millionen Verblender. 1865 wurde mit dem Bau der ersten Ringöfen begonnen und zwei Jahre später beschäftigten die Wienerberger Ziegeleien schon 10.000 Arbeiter; damit war dieses Unternehmen die größte Ziegelei der Welt. Es wurden in dieser Zeit auch die ersten Versuche mit Pressen gemacht, die bis zur Jahrhundertwende den Jahresausstoß auf 225 Millionen Mauerziegel ansteigen ließen. Damit hat sich die Ziegelherstellung aber längst von der handwerklichen zur industriellen Fertigung entwickelt. |
| Die Bilder zeigen Exponate des Wiener Ziegelmuseums |