Wirtschaftlichkeit

Bei der Betrachtung der Wirtschaftlichkeit eines Baustoffes wird meist nur sein Wärmedämmvermögen und sein Preis beachtet.


Wohnwert
Wesentlich ist aber das Zusammenwirken aller Eigenschaften eines Baustoffes. Dazu gehören u. a. Wärmespeichervermögen, Dauerhaftigkeit, gutes Feuchteverhalten etc. Viele Eigenschaften wirken sich erst einige Zeit nach Baufertigstellung aus und können dann die Wirtschaftlichkeit entscheidend beeinflussen. Diese gesamtheitliche Qualität von Baustoffen wird häufig als Wohnwert bezeichnet. Die Ziegelbauweise weist unter diesem Gesichtspunkt große Vorteile auf, da der Ziegel quasi der "Zehnkämpfer" unter den Baustoffen ist.


U-Wert-Funktion - Grenzen des Wärmeschutzes
Der bauliche Wärmeschutz – ausgedrückt durch den U-Wert – folgt einem mathematisch-physikalischen Gesetz: Mit immer mehr zusätzlichem Aufwand für Dämmung wird immer weniger Nutzen in Form von eingesparter Heizenergie erzielt. Dies kann leicht rechnerisch nachvollzogen werden: In einer mathematischen Darstellung folgen U-Werte einer Hyperbelfunktion. Das bedeutet, dass im steilen Ast der Hyperbel – d. h. bei schlechten = hohen U-Werten – mit wenig Dämmaufwand eine große Verbesserung der Wärmedämmung erreicht werden kann, während bei bereits guten = niedrigen U-Werten zusätzliche Dämmung nur mehr einen sehr geringen Zusatznutzen bewirkt. Vereinfacht ausgedrückt: Mit immer mehr Aufwand (Dämmung) wird immer weniger Nutzen (eingesparte Heizenergie) erreicht.

Zusätzlich ist zu berücksichtigen, dass bauliche Wärmedämm-Maßnahmen schon funktionell dort an ihre Grenzen stoßen, wo Wärmeverluste aufgrund von transparenten Teilen (Fenstern) nicht mehr durch eine Verbesserung der nichttransparenten Teile (Kellerdecke, Dach, Außenwände) ausgeglichen werden können. Denn je niedriger der mittlere U-Wert des Gebäudes sein soll, desto bedeutender werden die U-Werte der transparenten Teile und ihr flächenmäßiger Anteil.

Zielsetzung eines effizienten baulichen Wärmeschutzes muss es daher sein, nicht den niedrigsten technisch noch machbaren U-Wert anzustreben, sondern die energetisch, ökologisch und wirtschaftlich sinnvollste Lösung zu ermitteln. Grundlage einer solchen Ermittlung ist stets das Gegenüberstellen des Nutzens (niedriger Energiebedarf) zum Aufwand (zusätzliche Dämmung).

Nach dem derzeitigen Stand der Wärmedämmung ist der Transmissionswärmebedarf bereits soweit reduziert, dass bei noch höher gedämmten Gebäuden (mittlerer U-Wert der Gebäudehülle km < 0,5W/m2K) der Lüftungswärmeverlust überwiegt und sich derart als größter Verlustposten in der Energiebilanz niederschlagen würde. Das bedeutet: im Gegensatz zur Reduktion des Lüftungswärmeverlustes erweist sich eine weitere Verbesserung der Wärmedämmung als nur gering effizient.
Aber auch die Beurteilung der betriebswirtschaftlichen Effizienz einer weiteren Verbesserung des Dämmniveaus im Neubau ist von großem Interesse. Bei Zugrundelegung der Kapitalwert-Methode und der Methode des internen Zinsfußes lässt sich rechnerisch nachweisen, dass nur eine äußerst geringe Effizienz zu erzielen ist – ein betriebswirtschaftlich sinnvolles Aufwand-Nutzen-Verhältnis liegt nicht vor. Die errechneten Einsparungen an Heizkosten liegen im Streubereich des Berechnungsverfahrens. Anders jedoch im Althausbereich: Bei der thermischen Sanierung von Gebäuden mit einem sehr schlechten Dämmniveau kann innerhalb sehr kurzer Zeiträume eine Amortisation der Investition erreicht werden.

 

Dämmfunktion: Heizwärmebedarf in Abhängigkeit vom
Dämmniveau der Gebäudehülle und von der Lüftung (Luftwechselrate n).
Bei niedrigen U-Werten dominieren die Lüftungswärmeverluste.


Ein U-Wert Beispiel
Das nachfolgende Rechenbeispiel zeigt, wie unsinnig die heute oft anzutreffende U-Wert-Hysterie ist. Bei einem Einfamilienhaus mit 130 m2 Wohnfläche und 20% Fensterflächenanteil haben die Außenwände eine Fläche von etwa 120 m2. Betrachtet man nun 2 dieser Häuser, wobei eines eine Außenwand mit einem U-Wert von 0,5 W/m2K aufweist, das zweite eine Außenwand mit U = 0,4 W/m2K hat (alle anderen Bauteile seien unverändert), so liegt das Energieeinsparungspotential durch die Verbesserung der Wärmedämmung der Außenwand etwa in der Größenordnung des Stromverbrauches einer Glühbirne oder der stand-by-Schaltung eines Fernsehers!

U-Wert Differenz 0,1 W/m2K

Die Differenz von 0,1 W/m2K entspricht einem Primärenergieverbrauch von 3,2 kWh/24h.
Daraus kann eine elektrische Leistung von 40 W gewonnen werden.

 

Berechnungsgrundlage: Einfamilienhaus mit 120 m2 Außenwandlfäche.

Wirschaftlichkeit