Behaglichkeit

Der menschliche Körper steht in dauerndem Wärmeaustausch mit seiner Umgebung. Für die Behaglichkeit des Menschen ist dabei wesentlich:

  • die Raumlufttemperatur und die Oberflächentemperatur der umgebenden Bauteile (Wand, Decke, Fußboden)
  • die relative Luftfeuchtigkeit
  • Art und Dauer der Lüftung
  • das Wärmespeicherungsvermögen der Bauteile.

Temperatur
Lufttemperatur und Temperatur der Bauteiloberflächen im Raum  können sich hinsichtlich der Behaglichkeit in gewissen Grenzen gegenseitig ergänzen.


Behaglichkeitsfeld in Abhängigkeit von Raumlufttemperatur und Oberflächentemperatur (nach Frank und Reiher)

Liegt z. B. die Oberflächentemperatur der Wände bei 10° C, so kann bei noch so hoher Temperatur der Raumluft kein behagliches Raumklima mehr erreicht werden, weil dem menschlichen Körper, insbesondere in der Nähe der Wand, zuviel Wärme entzogen wird. Umgekehrt kann bei Erhöhung der Temperatur aller raumumschließenden Flächen auf z. B. 20° C sogar bei gleichzeitiger Senkung der Raumlufttemperatur auf 16° C ein "noch behagliches" Raumklima und somit eine Einsparung von Heizenergie erzielt werden.

Luftfeuchtigkeit
Am wohlsten fühlt sich der Mensch bei einer relativen Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 70 % und einer Lufttemperatur von etwa 20° C

Behaglichkeitsfeld in Abhängigkeit von Raumlufttemperatur und relativer Luftfeuchtigkeit (nach Leusden und Freymark)



Die relative Luftfeuchtigkeit ändert sich mit der Temperatur; beim Sinken der Temperatur steigt die relative Luftfeuchtigkeit und umgekehrt.

Ein unbezahlbarer Vorteil des Ziegels vor anderen Baustoffen liegt darin, dass er überschüssige Luftfeuchtigkeit speichern und später bei trockener Raumluft wieder an die Luft abgeben kann. Man bezeichnet diese Ziegeleigenschaft, die durch sein kapillares Gefüge begründet ist, auch als "Atmung", durch die man eine natürliche Raumklimatisierung erreicht.

Aber auch in bezug auf das Austrocknungsverhalten erzielt der Baustoff Ziegel hervorragende Werte. Generell enthält jedes Mauerwerk unmittelbar nach seiner Errichtung einen Anteil an Feuchtigkeit aus dem Mörtel. Dies wird als "Baufeuchtigkeit" bezeichnet. Ein entscheidendes Kriterium ist, wie rasch diese Baufeuchte entweichen kann. Da Ziegelbauten einen geringen Dampfdiffusionswiderstand aufweisen, trocknen sie auch sehr rasch aus. Durchschnittlich beträgt die Austrocknungszeit bei Ziegelbauten, je nach Jahreszeit, zwischen 6 und 12 Monaten, während bei anderen Baustoffen dieser Vorgang oft mehrere Jahre dauern kann. Was bleibt, ist die sogenannte Gleichgewichtsfeuchte, die bei Ziegel nur 0,7 Volumsprozent beträgt. Dieser, im Vergleich zu andern Baustoffen, niedrige Wert ist sowohl für die Gesundheit der Bewohner als auch im Hinblick auf ein sinnvolles Energiesparen von Bedeutung: Tatsache ist nämlich, dass die Wärmedämmung von Baustoffen umso schlechter ist, je mehr Feuchtigkeit sie enthalten. Daher ist der Ziegel ein sehr guter "Dämmer" und erreicht seine optimale Dämmwirkung auch überdurchschnittlich schnell.


Lüftung

Die Art und Dauer der Lüftung wirkt sich auf die Behaglichkeit sowohl durch Zufuhr von Frischluft als auch durch Änderung der Raumtemperatur und der Luftfeuchtigkeit sowie eventuell durch Zugluft aus. Die Raumlüftung sollte nicht unkontrolliert über undichte Fenster- und Türfugen erfolgen, sondern gezielt durch häufigeres, kurzzeitiges Öffnen der Fenster bzw. durch planmäßige Zwangsbelüftung.


Wärmespeicherung
Von ganz entscheidender Bedeutung für die Behaglichkeit, insbesondere für den sommerlichen Wärmeschutz (den Schutz vor Überhitzung) von Gebäuden, ist auch die Wärmespeicherfähigkeit der Wände und Decken. Darüber hinaus ermöglicht gutes Wärmespeichervermögen eine Erhöhung der nutzbaren Anteile an Sonnenenergie bzw. innerer Abwärme.

Optimaler Wärmeschutz – und damit größtmögliche Energieeffizienz – bedeutet daher eine sinnvolle Kombination aus guter Wärmedämmung und ausreichender Wärmespeicherung.

Während die Wärmedämmeigenschaften von Baukonstruktionen mit zunehmendem Raumgewicht abnehmen, nimmt die Wärmespeicherfähigkeit im Regelfall zu. Gute Wärmespeicherungsfähigkeit bewirkt:

  • langsames Aufheizen der Räume
  • langsames Auskühlen bei Heizungsunterbrechung
  • geringe Temperaturschwankungen im Raum
  • verzögerte Wärmeabgabe bei Sonnenbestrahlung von außen

 

Zu „Wärmetechnischen Grundlagen + Begriffe"
Das Wärmespeichervermögen ist das Produkt aus der Masse und der spezifischen Wärmekapazität des Baustoffes. Dies ist jene Wärmemenge, welche notwendig ist, 1 kg eines Stoffes um 1° C zu erwärmen.
Die spezifische Wärmekapazität ist eine Nenngröße, die von Baustoff zu Baustoff unterschiedlich ist (siehe Tabelle Spezifische Wärmekapazität "c").
Durch die hervorragenden Wärmespeichereigenschaften des Ziegels sind Ziegelbauten im Winter behaglich warm und im Sommer angenehm kühl, weshalb diese Bauweise gerade im Wohnbau besonders geschätzt wird. Weiterführende Informationen zum Thema Wärmespeicherung siehe Kapitel Wärmespeicherung.


Sonneneinstrahlung
Schon bei der Planung eines Hauses sollte der mögliche Wärmegewinn durch Sonneneinstrahlung berücksichtigt werden, denn nach Süden orientierte Fenster sind die billigsten Solarkollektoren.

An einem sonnigen Tag kann der Wärmeverbrauch daher erheblich sinken, ohne dass Mehrkosten infolge Zusatzwärmedämmung erforderlich wären. Wichtig ist dabei aber eine sorgfältige Abstimmung von Fenstergröße, Raumgröße, Speichervermögen der Bauteile, Sonnenschutz und Regulierfähigkeit der Heizung, um Überwärmungen des Raumes zu verhindern.

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