Ökonomisch-ökologischer Wärmeschutz

Energiesparmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Bauen sind heute unter 3 wesentlichen Zielsetzungen zu sehen:

  1. Optimierung zwischen Primärenergieeinsatz und Energiedienstleistung
  2. Ausschöpfung des Energiesparpotentials
  3. Verminderung klimarelevanter Emissionen (CO2-Reduktion)

Hygienischer Wärmeschutz
Die Bedeutung des baulichen Wärmeschutzes hat sich in den letzten Jahren erheblich gewandelt und von einem ursprünglich hygienischen Wärmeschutz, d. h. der Vermeidung von Feuchteschäden (z. B. Schimmelbildung oder Korrosion bzw. Zersetzung von Bauteilen) zu einem nach energetischen und ökonomischen Aspekten zu beurteilenden Wärmeschutz verschoben. Heute bestimmt zunehmend die Beachtung der ökologischen Auswirkungen des Energieverbrauches die Diskussion um den Wärmeschutz von Gebäuden. Der hygienische Wärmeschutz war mit der Festlegung von Mindestanforderungen an die wärmeschutztechnischen Eigenschaften der Einzelbauteile (Außenwand, Fenster, Dach, Decken etc.) in Form der U-Werte hinreichend erfüllt.


Energiesparender und ökologischer Wärmeschutz
Der energiesparende und ökologische Wärmeschutz im Sinne der o.a. Zielsetzungen bedingt darüber hinaus notwendige Kriterien, die alle am Baugeschehen Beteiligten – Industrie-Gewerbe-Nutzer – betreffen. Beispielsweise ist den Zielen nicht entsprochen, wenn eine Reduzierung des Energieverbrauches auf der Nutzerebene zu einem Mehrverbrauch an Energie auf der Herstellerebene (zufolge erhöhter Anforderungen an die wärmeschutztechnischen Eigenschaften der Produkte) und/oder auf der Gewerbeebene (zufolge komplizierter, wenig erprobter, allenfalls risikoreicher Bauweisen, Reststofftrennung und -verwertung etc.) führt.


Öko-Bilanzen bzw. Energiebilanzen
Der Optimierung des Primärenergieeinsatzes und der Energiedienstleistung   (Bereitstellung von Energie) wird auf der Herstellerebene bereits Rechnung getragen, indem der Lebenszyklus von Baustoffen und -produkten von der Gewinnung über die Herstellung hin zur Nutzung und Entsorgung in Form von Öko-Bilanzen bzw. Energiebilanzen beschrieben wird.


Ökonomisch-ökologischer Wärmeschutz
Das zentrale Thema ist der ökonomisch-ökologische Wärmeschutz mit dem Ziel, über eine Reduzierung des Energieverbrauches (sinngemäß Ziel 2: Ausschöpfung des Energiesparpotentials) klimarelevante Emissionen (insbesondere die CO2-Emissionen) einzudämmen. Über diese Notwendigkeit besteht auf nationaler und internationaler Ebene Konsens, wobei hier insbesondere auf die "Konferenz für Umwelt und Entwicklung" (UNCED) der Vereinten Nationen im Juni 1992 zu verweisen ist.

Zur Beurteilung bzw. zum Nachweis eines ökonomisch-ökologischen Wärmeschutzes werden heute auf der Nutzerebene meist ganzheitliche Verfahren eingesetzt, die in Form einer Bilanz den Wärmeverlusten die Wärmegewinne gegenüberstellen. Das folgende Bild zeigt die Energiebilanz eines typischen 1988 errichteten Reihenhauses (Standort: Nähe Lienz, Osttirol).

Jahres Energie-Bilanz (Wärme in MWh)

Der Heizwärmebedarf ist jener einzusetzende Anteil an Heizenergie, der die Differenz zwischen den Wärmeverlusten und den Wärmegewinnen abdeckt und als einzuhaltender bzw. maximal zulässiger Heizwärmebedarf zur Norm bzw. zur gesetzlichen Anforderung erhoben werden kann.Der Brennstoffverbrauch für das Beheizen eines Gebäudes ergibt sich dann aus den Transmissions- und Lüftungsverlusten unter Berücksichtigung der Verluste des Heizungssystems (Wirkungsgrad), er ist aber andererseits auch von einer Vielzahl anderer Einflußfaktoren abhängig, die nicht durch den U-Wert der Bauteile erfaßbar sind. Folgendes Bild   zeigt ein Beispiel für die Anteile am gesamten Brennstoffverbrauch eines Einfamilienhauses mit einem Fensterflächenanteil von 20 % (siehe hierzu auch die Beispiele anhand eines Zweifamilienhauses).


Anteile am Brennstoffverbrauch eines Einfamilienhauses

Einflußfaktoren auf den Brennstoffverbrauch

Geographische Lage  
Topographische Lage
Klimat. Gegebenheiten
Nutzergewohnheiten
Gebäudeform
Architektur
Bauteile Teilaspekt
Baustoffe U-Wert
Heizsysteme
Lüftungssysteme

Zur Zeit werden auf nationaler wie europäischer Ebene verschiedene Rechenverfahren zur Ermittlung des Heizwärmebedarfes diskutiert, wobei allen der Europäische Normenentwurf EN 832 "Wärmetechnisches Verhalten von Gebäuden" als Grundlage dient. Bei der Beurteilung alternativer Energiesparmaßnahmen ist auf größtmögliche Effizienz der Maßnahmen zu achten, d. h. es ist bei der gesamtheitlichen Betrachtung von Herstellung, Nutzung und Beseitigung eines Gebäudes ein ökonomisches und ökologisches Optimum anzustreben.

ökolog.-ökonom. Wärmeschutz