Luftschallschutz von mehrschalig wirkenden Bauteilen

Akustisch mehrschalig wirkende Bauteile
Bei akustisch mehrschalig wirkenden Bauteilen kann deren gemeinsames Schalldämm-Maß errechnet werden, wenn es sich um mehrere einschalige, massive Bauteile bzw. um einschalig massive Bauteile mit biegeweichen Vorsatzschalen handelt, und keine starre Verbindung zwischen ihnen besteht.


Massive zweischalige Bauteile
Bei massiven zweischaligen Trennbauteilen ist darauf zu achten, dass die Schalen durchgehend getrennt sind. So muss z.B. eine Haustrennwand auch im Keller bis zum Fundament getrennt sein. Insbesondere ist darauf zu achten, dass kein Mörtel in den Hohlraum zwischen den beiden Schalen eindringt, da dieser eine stark wirksame Schallbrücke bilden kann. Besonders günstig wirkt sich die Füllung des Zwischenraumes mit einem weichen Dämmstoff aus (z.B. Mineralwolle, aber kein harter Schaumstoff).


Ausführungsbeispiele



Beispiel 1

 

 

Im Falle einer durchgehenden Trennung kann das aus der Summe der flächenbezogenen Massen (m1’ + m2’) der beiden akustisch einschaligen, massiven Wände abgeleitete bewertete Schalldämm-Maß Rw bei unterkellerten Gebäuden um 12 dB erhöht werden.

 

Beispiel 2

 

 

Bei nicht unterkellerten Gebäuden mit zweischaligen massiven Haustrennwänden muss auch das Fundament getrennt sein; das aus der Summe der flächenbezogenen Masse beider Schalen abgeleitete bewertete Schalldämm-Maß Rw kann dann um 5 dB erhöht werden.

 

Beispiel 3

 

 

Bei zweischaligen massiven Außenwänden mit Luftschicht darf das bewertete Schalldämm-Maß Rw aus der Summe der flächenbezogenen Massen (m1’ + m2’) der beiden akustisch einschaligen massiven Wände ermittelt und um 5 dB erhöht werden.

 

Beispiel 4

 

 

Bei zweischaligen massiven Wänden mit durchlaufenden flankierenden Bauteilen wird der Schall hauptsächlich über diese Verbindungen übertragen. Solche Wände haben im Regelfall eine geringere Schalldämmung als sich nach der flächenbezogenen Masse ergeben würde.
Solche Ausführungen sollten daher vermieden werden

 

Massive Bauteile mit biegeweicher Vorsatzschale


Als biegeweiche Vorsatzschale gelten unter anderem:

Gipskartonplatten d 15mm
Faserzementplatten d 6mm
Holzspanplatten d 20mm
Sperrholzplatten d 5mm
Verputzschichten d 25mm
schwimmende Estriche sind akustisch einer biegeweichen Schale gleichwertig.

Ein schalltechnischer Vorteil durch eine biegeweiche Vorsatzschale ergibt sich nur, wenn keine starre Verbindung der Schalen vorliegt.

Die biegeweiche Schale soll ein Gewicht von mindestens 15 kg/m2 haben.


Folgende Ausführungsvarianten, bei denen keine bzw. nur eine federnde, kleinflächige Verbindung der Schalen vorliegt, bringen eine Erhöhung des bewerteten Schalldämm-Maßes Rw der massiven Wand um ca. 10 dB.

Variante A

Die biegeweiche Vorsatzschale ist durch ein freistehendes Ständerwerk vollständig von der massiven Schale getrennt.

Die schalltechnische Verbesserung nimmt vor allem mit dem Abstand von der massiven Schale zu. Die biegeweiche Schale soll daher einen Mindestabstand von 6 cm von der massiven Wand haben.

Der Lufthohlraum zwischen den Schalen wird mit einem offenporigen, schallschluckenden Dämmstoff zu mindestens 60 % gefüllt.


Variante B

Die Vorsatzschale wird auf einer Latten-Unterkonstruktion, die mit Schwingbügeln an der massiven Wand befestigt ist, montiert. Der Mindestabstand der Befestigungs-Dübel beträgt dabei 50 cm. Mindestabstand der biegeweichen Schale von der massiven Wand 6 cm, Füllung des Lufthohlraumes zwischen den Schalen mit einem offenporigen, schallschluckenden Dämmstoff zu mindestens 60 %.


Variante C

Die biegeweiche Vorsatzschale wird punktförmig an die massive Wand geklebt. Bei der Vorsatzschale kann es sich um sogenannte Verbundplatten, auf den Dämmstoff angeklebte Gipsplatten oder um Dämmstoff mit bewehrtem Gipsputz handeln.

Der vollflächige Dämmstoff zwischen den beiden Schalen muss mindestens 3 cm dick und weichfedernd sein, d.h. eine dynamische Steifigkeit s’ 5 MN/m3 haben.

Mit keinen schalltechnischen Verbesserungen darf bei Befestigung der biegeweichen Platten direkt mit Dübel an der massiven Wand bzw. auch auf angedübelten Lattungen gerechnet werden.

Bei vollflächig angeklebten Platten kann sogar eine Verminderung des Schallschutzes eintreten!

Variante D

Auch ein schwimmender Estrich (obwohl dieser nicht mehr zu den biegeweichen Schalen zählt) hat auf einer Massivdecke die Wirkung einer biegeweichen Vorsatzschale. Bei einem Estrichgewicht von mindestens m’ = 80 kg/m2 und einer dynamischen Steifigkeit der Trittschalldämmplatte s’ 20 MN/m3 wird das bewertete Schalldämm-Maß Rw um 15 dB verbessert.

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