Luftschallschutz im Gebäudeinneren

Luftschallschutz im Gebäudeinneren (Punkt 6 der ÖNORM B 8115,Teil 4)
Im Gebäudeinneren ist zu beachten, dass die Schallübertragung nicht allein über den Trennbauteil, sondern immer auch über angrenzende "flankierende" Bauteile erfolgt. Die Summe aller Schallwege ist in der Bewertenden Standard-Schallpegeldifferenz DnT,w berücksichtigt. Auch ein sehr gutes Schalldämm-Maß Rw einer Trennwand besagt noch nicht, dass damit der erforderliche Schallschutz zwischen den nebeneinanderliegenden Wohnräumen ausreichend ist. Es ist daher zu überprüfen, ob der Schallschutz nicht durch angrenzende "flankierende" Bauteile (Wände oder Decken) vermindert wird. Erst die richtige Bauteilkombination ermöglicht die Erfüllung der Anforderungen an den Schallschutz!

Im Gebäudeinneren ist daher die bewertete Standard-Schallpegeldifferenz DnT,w gemäß ÖNORM B 8115, Teil 2 nchzuweisen. Für diesen Nachweis ist in ÖNORM B 8115, Teil 4 eine Berechnungsmethode angeführt.

In diese Berechnung gehen der Trennbauteil und alle Flankenbauteile mit ihrer jeweiligen Fläche, der flächenbezogenen Masse und dem Schalldämm-Maß, sowie das Volumen des Empfangsraumes, ein. Dabei sind alle Wege der Schallübertragung mit der jeweiligen Stoßstellendämmung bei Verzweigungen (z. B. Wand-Decken-Knoten) zu berücksichtigen.

Da diese Berechnung ziemlich arbeitsaufwendig ist, wird sie vorteilhaft mittels Computer* durchgeführt.

Im Planungsstadium kann eine Abschätzung des Schallschutzes auch mittels der untenstehenden Tabellen erfolgen. In diesen Tabellen sind Beispiele für Kombinationen von Trennbauteilen und Flankenbauteilen zur Erreichung einer geforderten Standard-Schallpegeldifferenz DnT,w angeführt. In der jeweiligen Spalte eines Trennbauteiles ist angeführt, welches bewertete Schalldämm-Maß Rw und welche flächenbezogene Masse m’ die flankierenden Bauteile mindestens aufweisen müssen, um die Anforderung an den Schallschutz zu erfüllen.

Der Einfachheit halber werden die Abmessungen der einzelnen Bauteile nicht aufgenommen; die angegebenen Werte für das Schalldämm-Maß Rw und die erforderlichen flächenbezogenen Massen m´ sind so abgeleitet, dass sie für Wand- und Raumgrößen, wie sie im Wohnungsbau häufigt gegeben sind, die Anforderungen erfüllen.

Grundsätzlich kann erwartet werden, dass die Standard-Schallpegeldifferenz DnT,w
– geringer ist für Räume unter Dach (T-Stoß statt Kreuzstoß in der Decke),
– geringer wird mit kleinerem Rauminhalt des Empfangsraumes,
– geringer wird mit größerem Rauminhalt des Senderaumes.

Da die Tabellen für die Anwendung im Wohnungsbau gelten, sind grundsätzlich Decken mit schwimmendem Estrich (Resonanzfrequenz f0 klgl10.gif (58 bytes) 80 Hz) zugrunde gelegt, da der Nachweis der  Erfüllung der Trittschalldämmung nur durch einen Belag baurechtlich nicht zulässig ist.

Wird ein Flankenbauteil durch Dämmschichteinlage an der Stoßstelle mit der Trennwand akustisch getrennt, so ist dieser Flankenbauteil an der Schallübertragung nicht mehr bzw. vermindert beteiligt. Wenn die Dämmschichtzwischenlage eine Erhöhung des Stoßstellen-Dämmmaßes um mindestens 9 dB erbringt, darf der Flankenbauteil eine beliebige flächenbezogene Masse und ein beliebiges bewertetes Schalldämm-Maß Rw aufweisen. Einzelne Anker dürfen die Zwischenlage durchstoßen, Putz darf sie jedoch nicht überbrücken.

Ebenso kann ein Flankenbauteil, der mit einer biegeweichen Vorsatzschale verkleidet ist, beliebig ausgeführt werden, wenn diese ein f0 < 125 Hz erbringt.

*Ein entsprechendes Berechnungsprogramm ist beim Österreichischen Normungsinstitut erhältlich


Beispiele für Kombinationen von Trenndecken mit flankierenden Wänden zur Erreichung einer Standard-Schallpegeldifferenz DnT,w 55 dB zwischen übereinanderliegenden Räumen.

    1 2
Trenndecke1) m’ (kg/m2) 250 300
Rw (dB) 52 54
Außenwand F12) m’ (kg/m2) 400 300
Rw (dB) 58 54
Innenwand F22) m’ (kg/m2) 400 300
Rw (dB) 58 54
Innenwand F32) m’ (kg/m2) 400 300
Rw (dB) 58 54
Innenwand F42) m’ (kg/m2) 250 200
Rw (dB) 52 49

1) einschalig massiv mit schwimmendem Estrich; Erhöhung von Rw um mindestens 15 dB; Masse einschließlich Putz und Beschüttung; ohne Estrich
2) einschalig massiv

  

Beispiele für Kombinationen von Trennwänden mit flankierenden Decken und Wänden zur Erreichung einer Standard-Schallpegeldifferenz DnT,w 55 dB zwischen nebeneinanderliegenden Räumen.

  1 2 3 4 5
einschalig
massiv
mit biegeweicher
Vorsatzschale3)
Trennwand m’ (kg/m2) 400 450 500 250 300
Rw (dB) 58 60 61 52 54
Außenwand F11) m’ (kg/m2) 250 200 150 350 250
Rw (dB) 52 49 45 56 52
Innenwand F21) m’ (kg/m2) 300 200 150 350 250
Rw (dB) 54 49 45 56 52
Decken 2) F3 und F4 m’ (kg/m2) 300 250 250 350 250
Rw (dB) 54 52 52 56 52

1)einschalig massiv
2)einschalig massiv mit schwimmendem Estrich; Erhöhung von Rw um mindestens 15 dB; Masse einschließlich Putz und Beschüttung; ohne Estrich
3)f0 klgl10.gif (58 bytes) 125 Hz

Zur Erreichung einer bewerteten Standard-Schallpegeldifferenz DnT,w 60 dB zwischen aneinandergrenzenden Gebäuden (z.B. Reihenhäusern) ist die Trennwand zweischalig massiv auszuführen, wobei jede der Schalen mindestens eine flächenbezogene Masse m’ 200 kg/m2 bzw. ein bewertetes Schalldämm-Maß von je Rw 49dB aufweisen muss und die Schalen vollständig voneinander getrennt sein müssen (Dicke der Trennfuge 30 mm). In diesem Fall dürfen die flankierenden Bauteile beliebig ausgeführt werden, aber ebenfalls an keiner Stelle die Trennwände überbrücken.

Die flächenbezogene Masse m’ der beiden Schalen darf auch geringer sein, falls der Fugenhohlraum zwischen den Schalen mit dicht gestoßenen und vollflächig verlegten mineralischen Faserdämmplatten (Trittschalldämmplatten) ausgefüllt ist. Auch in diesem Fall muss die Trennfuge 30 mm, besser jedoch 50 mm dick sein. Bei Einhaltung dieser Regeln ist beispielsweise eine Ausführung mit 2 · HLZ 17, verputzt mit KZM-Mörtel, jeweils mit Gipsmaschinenputz verputzt, möglich, auch wenn die flächenbezogene Masse m’ der beiden Schalen nur jeweils etwa 150 - 170 kg/m2 beträgt.

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