Putzgrund

Anforderungen
Grundsätzlich muss der Auftragnehmer (AN) von Putzarbeiten annehmen können, dass die zu putzenden Flächen nach den anerkannten Regeln der Technik hergestellt wurden.

Der Putzgrund (Untergrund) hat maßgeblichen Einfluß auf die Auswahl des Putzmaterials und vor allem auf die Art der Verarbeitung (Vorbehandlung des Putzgrundes, Putzdicke etc.)

Vor Beginn der Putzarbeiten ist der Putzgrund vom Auftragnehmer auf seine diesbezügliche Eignung zu prüfen.

Die Prüfung erfolgt nach Augenschein, Wisch-, Kratz-(Ritz-) und Benetzungsprobe (ÖNORM B 3346, Pkt. 4.4)

Ausführungsmängel bei der Erstellung des Putzgrundes können Auswirkungen auf den fertigen Putz haben (z.B. Rißbildung).

Die unbedingte Forderung nach ebenflächigem Putzgrund besteht, weil z. B. vorspringende Ziegel, Steine, Platten zu einer unregelmäßigen Schwächung der Putzdicke führen und an derartigen Stellen erhöhte Rißgefahr besteht.

Gleiches gilt für nicht volle bzw. verfüllte Fugen. An derartigen Stellen hängt die Putzlage wie eine Brücke über der offenen Fuge. Schon bei geringsten thermischen Veränderungen (Bewegungen, Spannungen) im Putzgrund kann es zu Rissen kommen.

Der Putzgrund muss ebenflächig, tragfähig und fest, ausreichend formstabil, nicht wasserabweisend, gleichmäßig saugend, homogen, rauh, trocken, staubfrei, frei von Verunreinigungen, frei von schädlichen Ausblühungen, frostfrei bzw. über + 5 Grad temperiert sein.


Warn- und Hinweisepflicht

Der Auftragnehmer hat dem Auftraggeber allfällige Bedenken hinsichtlich der Ausführung der Putzarbeiten mit dem Hinweis auf die zu erwartenden Mängel und evtl. Lösungsvorschläge schriftlich bekanntzugeben.


Empfehlung
Fotografieren!

Fotos dokumentieren nicht nur die Beschaffenheit eines Putzgrundes (z.B. Mischmauerwerk an der Fassade), sondern können im Zuge der Warn- und Hinweispflicht Dokumente, im Schadensfalle aber auch wichtige Beweismittel darstellen!


Putzgrundvorbehandlung

Eine Putzgrundvorbehandlung dient dem festen und dauerhaften Verbund zwischen Putz und Putzgrund.

Putzgrundvorbehandlungen (Haftvermittler, Vorspritzer u.ä.) sind in eigenen Leistungspositionen angegeben. Sie zählen nicht als Putzlage (ÖNORM
B 3346, Pkt. 4.6)


Witterungsschutz des Rohbaus
Witterungseinflüsse, speziell Tagwasser-(Regen)-Einwirkungen auf das Rohbaumauerwerk – im besonderen während der Errichtung – können später zu gravierenden Putzschäden führen.

Folgende Grundsätze sind vor Putzbeginn und während der Putzarbeiten zu beachten:

  • Witterungsgeschützte Lagerung der Wandbaustoffe auf der Baustelle
  • normgerechte Verarbeitung der Baustoffe
  • Abdecken der obersten Mauerwerks-Schar bei längeren Arbeitspausen insbesonders an Wochenenden. Parapete beachten! Siehe auch ÖNORM B 2206
  • möglichst frühes Aufbringen des Vorspritzers (lt. Anwendungstabellen)
  • ehestmögliche Ausführung eines regensicheren Daches. Dachwasser darf nicht ins Mauerwerk eindringen. (siehe Bild)
  • gegen das Eindringen von Tagwasser über Balkone, Terassen, Installationsschächte, Parapete und nicht eingefasste Kamine etc. sind zeitgerecht wirksame Schutzmaßnahmen vorzusehen.

 


Standzeiten des Rohbaues bzw. des Putzgrundes
Die baustoffspezifischen Trocknungs- bzw. Aushärtungszeiten sind einzuhalten. Da ein Großteil der Bewegungen eines Bauwerkes in den ersten Monaten nach der Rohbauerstellung erfolgt, lässt sich durch eine ausreichende Wartezeit vor dem Putzen das Risiko von Putzschäden verringern.

Wird der Außenputz vor dem Innenputz und dem Estrich hergestellt, ist dies für die Putzqualität – speziell in der kalten Jahreszeit – bedenklich.


Konstruktionsbedingte Ausführungsdetails im Putzgrund
Architektonische, statische und bauphysikalische Anforderungen an ein Bauwerk können besondere Maßnahmen vor, während und nach den Putzarbeiten erforderlich machen. Derartige Maßnahmen sind lt. ÖNORM B 2210 bereits in der Ausschreibung bzw. im Angebot zu berücksichtigen.

Kamine stellen einen eigenen Baukörper in einem Gebäude dar. Auch eine Armierung der zu putzenden Flächen kann eine Rißbildung nicht verhindern.

Nicht-zwängende Durchführungen der Kamine bei Deckendurchbrüchen, bzw. nicht-zwängende Einbindungen bei Wandanschlüssen sind erforderlich. Das Vorbeiführen des Mauerwerkes am Kamin (statt fluchtbündig), sowie eine Vormauerung um den Kamin (Vormauerung steht dann auf der Geschoßdecke), oder der Einsatz geeigneter Fugenprofile, sind bewährte Ausführungen.

Materialwechsel im Putzgrund, Ausmauerungen und stumpfe Mauerwerks-anschlüsse (ohne statische Verbindung) aber auch klaffende Fugen sind als nichthomogenes bzw. als Misch-Mauerwerk anzusehen und als problematischer Putzgrund zu betrachten.


Prüfungen des Putzgrundes
Zur Beurteilung anhaftender Fremdstoffe oder abplatzender, abblätternder oder absandender Stellen bzw. der Oberflächenbeschaffenheit, dienen die Wisch- und Kratz(Ritz)probe.

Die Wischprobe ist mit flacher Hand, die Kratzprobe (Ritzprobe) mit einem harten spitzen Gegenstand, jeweils stichprobenartig vorzunehmen.

Einen Hinweis auf die Saugfähigkeit und auf die Feuchtigkeit des Putzgrundes gibt die Benetzungsprobe. Bei der Benetzungsprobe ist der Putzgrund an mehreren Stellen mit reinem Wasser zu benetzen.

Werksansgaben der einzelnen Ziegelhersteller über die Saugfähigkeit beachten!

Die gegebenenfalls gewünschte genaue Feststellung der Restfeuchtigkeit erfolgt durch eine Prüfanstalt mittels CM-Gerät oder Darrprobe, wobei die Probenahme in mindestens 2 cm Tiefe durchzuführen ist; die Proben werden z. B. mit einem Kronenbohrer, mind. 25 mm Durchmesser, bei niedrigen Drehzahlen – ohne wesentliche Erwärmung – entnommen.

Das Ziegelmauerwerk muss gemäß den Toleranzklassen der ÖNORM B 2206 im fluchtgerechten Verband erstellt sein.

Vor- und/oder rückspringende Ziegel müssen innerhalb des zulässigen Stichmaßes für die Ebenflächigkeit liegen und dürfen keine zu stark differierenden Putzdicken verursachen.

Fugenmörtel (Stoß- und Lagerfugen) darf nicht zu stark eingezogen sein oder vorstehen (max. 5 mm), gegebenenfalls vor dem Putzen abgleichen.

Bei Knirschvermauerung (ohne Stoßfugenmörtelung) sind klaffende Fugen über 5 mm nicht tolerierbar. Diese Fugen und andere eventuelle Fehlstellen sind in einem eigenen Arbeitsgang, spätestens 3 Tage vor dem Putzen auszuwerfen(nicht mit Vorspritzmörtel!).

korrekte Ausbesserung unvollständige Ausbesserung

Kleinflächige Ausblühungen in Form eines leichten Schleiers sind zu tolerieren, weil die Putzhaftung nicht oder kaum beeinflußt wird. Ausblühungen in einem stärkeren Ausmaß (Belag, "Bartbildung"), bei denen eine Beeinträchtigung der Putzhaftung zu erwarten ist, müssen unbedingt beseitigt werden. Dies kann bei trockenem Mauerwerk durch abbürsten erfolgen.

Wenn die Beseitigung nicht den gewünschten Erfolg bringt, ist nach genauer Untersuchung und aufgrund einer Beratung durch Fachleute eine geeignete Reinigungsmethode festzulegen.

Trockenes Mauerwerk, stark saugendes Ziegelmauerwerk, kann – z.B. bei warmer, windiger Witterung – eine entsprechende Vorbehandlung erfordern. Die diesbezügliche Beurteilung hat vor dem Putzbeginn zu erfolgen. Werksangaben über die Saugfähigkeit berücksichtigen!

 

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