Ökobilanz Grundlagen

Die gesamtheitliche Betrachtungsweise
Die ökologischen und betriebswirtschaftlichen Bewertungen von Ziegel-Außenwandkonstruktionen sind wesentliche Bestandteile der gesamtheitlichen Beurteilung von Gebäuden. Dies bedeutet:

  • den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden oder dessen Bauteilen zu betrachten,
  • gemeinsames Bewerten aller für den Energieverbrauch relevanten Aspekte von Gebäuden und nicht nur der Wärmedämmung (U-Wert) einzelner Bauteile,
  • Beurteilung der Nutzungsqualität mit allen für die Bewohner wichtigen Einflüssen, kurz "Wohnwert".

Die vorgestellten Ziegel-Außenwandkonstruktionen gestatten eine größtmögliche Effizienz der eingesetzten Mittel in bezug auf Ökonomie und Ökologie, denn neben dem Energieverbrauch für die Erstellung eines Gebäudes müssen auch die Aufwendungen für Unterhalt und Erneuerung berücksichtigt werden; außerdem spielt die Lebensdauer der Materialien und die Beurteilung der Entsorgung oder Wiederverwendung eine wichtige Rolle.


Grundlagen, Szenarien und Bewertungsmodelle
In der vorliegenden Studie werden unterschiedliche Ziegelwandkonstruktionen nach ökonomischen und ökologischen Beurteilungskriterien bewertet. Um stichhaltige und möglichst breit abgesicherte Aussagen zu erhalten, liegen der Studie unterschiedliche Szenarien über künftig mögliche betriebswirtschaftliche Rahmenbedingungen sowie vier der wichtigsten ökologischen Bewertungsmodelle zugrunde.

Mit den vorliegenden Ergebnissen ist die Ziegelindustrie in der Lage, ihren Beitrag zu einer gesamtheitlichen Lebensdauerbewertung von Gebäuden zu leisten. Wir hoffen, dass wir damit einen Anstoß geben können, dass auch Hersteller von anderen Gebäude-Bauteilen derartige Lebensdaueranalysen durchführen, so dass es bald möglich sein kann, an einigen Musterprojekten gesamtheitliche Lebensdauer-Optimierungen durchzuführen.


Wandkonstruktionen
Den Berechnungen der Studie liegen folgende Wandkonstruktionen zugrunde:

 

38/KZP
Monolithische 38cm dicke Ziegelwand
mit 2,5cm KZ-Putz,
U-Wert 0,4 W/m2K

 

38/6WDP
Monolithische 38cm dicke Ziegelwand
mit 6cm Wärmedämmputz,
U-Wert 0,34 W/m2K

 

25/8PS

25cm Hochlochziegelwand
mit 8cm Polystyrol-Wärmedämm-Verbundfassade
U-Wert 0,35 W/m2K

 

17/10WD/12
Zweischalenmauerwerk aus Ziegel,
17cm Innenschale Ziegel,
10cm Dämmung,
12cm Ziegelvormauerung
U-Wert 0,3 W/m2K

 

Ökologische Bewertungsmodelle
Zur Bewertung unterschiedlicher Umweltbelastungen werden sowohl hochaggregierende Modelle als auch Einzeleffektmodelle angewendet.


Primärenergieeinsatz (PEI)
Der Primärenergieeinsatz ist die Summe aus der, während des gesamten Lebenszyklus aufgewendeten, Endenergie zuzüglich des Energieaufwandes für die Bereitstellung dieser Endenergie.


Versauerung/Acidification Potential (AP)

Der AP-Wert beschreibt die Versauerungswirkung von Substanzen relativ zu SO2. Die Angabe g SO2eq bedeutet, dass alle atmosphärischen Emissionen zusammen dieselbe Versauerungswirkung aufweisen wie die angegebene SO2 Menge.


Treibhauspotential/Global Warming Potential (GWP)

Für einige häufig vorkommende Substanzen, die zur Erhöhung des Treibhauseffektes beitragen, wurden Parameter in der Form des GWP (Global Warming Potential) entwickelt. Das GWP beschreibt den Beitrag eines Spurengases zum Treibhauseffekt, jedoch nicht als Absolutgröße, sondern relativ zu CO2. Die Angabe g CO2eq bedeutet, dass alle Treibhausgase zusammen dieselbe Treibhauswirkung verursachen wie die angegebene CO2 Menge.


Umweltbelastungspunkte (UBP)

Modell des Schweizerischen Bundesamtes für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL).

Verfahren der ökologischen Knappheit, in dem eine Vielzahl von Umwelteinwirkungen zu einer Kennzahl – den Umweltbelastungspunkten (UBP) – hochgerechnet werden. Gilt eigentlich streng genommen nur für Schweizer Verhältnisse.


Betriebswirtschaftliche Randbedingungen

Den Berechnungen der Studie liegen folgende Annahmen zugrunde:


Klimatische Randbedingungen und Energiekosten

3.500 Heizgradtage

Brennstoffkosten (öS/kWh exkl Ust.)
Öl 0,35
Erdgas 0,50
Nachtstrom 0,78
Tagstrom 1,43

Nutzungsgrad der Heizung
Öl/Gas 80 %
Elektro 100 %

Reduktionsfaktor für innere Gewinne

0,70
d.h. 30% der Gesamtverluste werden
durch Sonneneinstrahlung und
Abwärme von Geräten und Personen
gedeckt
 



Instandhaltung und Erneuerung

Für das Mauerwerk selbst wurde in allen Fällen eine Nutzungsdauer von 90 Jahren zugrundegelegt.

Für die Lebensdauer der Wärmedämm-Verbundsysteme wurde folgender Instandhaltungszyklus zugrundegelegt:

nach 20 Jahren: Erneuerung der Kunststoffputzschicht
nach 40 Jahren: Erneuerung der Kunststoffputzschicht und des Glasgewebes
nach 60 Jahren: Erneuerung der gesamten Wärmedämm-Verbundfassade

Für das monolithische und das Zweischalen-Ziegelmauerwerk wurde für Innen- und Außenputz eine Lebensdauer von 50 Jahren angenommen.


Barwertberechnung
Der Barwert ist der heutige (zum Zeitpunkt der Errichtung berechnete) Wert aller in der Nutzungsdauer anfallenden Kosten für Errichtung, Instandhaltung, Abbruch und Entsorgung. Die Berechnung erfolgt nominal, d. h. die Steigerungsraten werden vom Nennwert eingesetzt; eine explizite Inflationsbereinigung erfolgt nicht.


Szenario 1 – Ist-Zustand

Brennstoffkosten + 4%/Jahr
Baukosten + 3%/Jahr
kalkulatorischer Zinssatz + 7%/Jahr


Szenario 2 – Ökologisches Szenario
gibt die heute allgemein anerkannte Meinung über den ökologischen Stellenwert der nicht erneuerbaren Energieträger, der Reduzierung von Stoffströmen und der Inanspruchnahme von Entsorgungskapazitäten wieder.

Brennstoffkosten + 9%/Jahr
Baukosten + 7%/Jahr
kalkulatorischer Zinssatz + 7%/Jahr

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