nichttragende Innenwände

Nichttragende Innenwände
Nichttragende Innenwände, die Windlasten erhalten können, müssen wie nichttragende Außenwände behandelt werden.

Nichttragende Innenwände sind Raumtrennwände, die keine Aufgaben für die Gesamtkonstruktion, insbesondere für die Gebäudeaussteifung, zu erfüllen haben; d. h. sie können entfernt werden, ohne dass die Standsicherheit des Gebäudes beeinträchtigt wird. Die Standsicherheit der nichttragenden Innenwände selbst ist durch die Verbindung mit den angrenzenden Bauteilen gegeben (siehe Maueranschlüsse).

Nichttragende Innenwände müssen außer ihrer Eigenlast, einschließlich etwaiger Putze oder Wandbekleidungen auch geringe statische Lasten, leichte Konsollasten sowie geringfügige dynamische Belastungen (Stoßbeanspruchungen) ohne Beeinträchtigung der Funktionstauglichkeit aufnehmen und auf tragende Bauteile abtragen können.

Formänderungen angrenzender Konstruktionen - vor allem zeitabhängige plastische Verformungen (Kriechen) von Decken - sind für nichttragende Wandsysteme durch bauliche Vorkehrungen derart zu berücksichtigen, dass entweder keinerlei schadenverursachende Zwängungen auftreten (z. B. gleitender Anschluß) oder Risse sich nur kontrolliert ausbilden können (z. B. Kellenschnitt oder Trennstreifen).


Schlitze und Öffnungen

Installationsschlitze oder Durchbrüche dürfen nur in einem solchen Ausmaß und in solcher Form angeordnet sein, dass die Funktionstauglichkeit, insbesondere die Standsicherheit der Wand, nicht beeinträchtigt wird.

Schlitze für Installationsleitungen sind in die gemauerten Wände nur einzufräsen oder einzuschneiden und sind so zu schließen, dass eine ausreichende Überdeckung (mind. 1 cm) der Einbauteile vorhanden ist. Öffnungen dürfen nur gebohrt, gefräst oder geschnitten werden. Nur Ergänzungen an den Ecken dürfen gestemmt werden. Waagrechte und schräge Schlitze dürfen nicht länger als 1 m sein, wenn ihre Tiefe maximal die halbe Wanddicke beträgt. Längere waagrechte und schräge Schlitze dürfen in der Tiefe maximal 1/3 der Wanddicke erreichen; sofern diese maximal 40 cm unter der Deckenunterkante liegen, darf die Tiefe maximal die halbe Wanddicke betragen.

Parallel verlaufende waagrechte Schlitze in einer gemauerten Wand im Abstand von weniger als 50 cm sind unzulässig. Waagrechte und schräge Schlitze dürfen eine maximale Breite im Ausmaß der doppelten Wanddicke aufweisen. Vertikale Schlitze müssen einen Mindestabstand im Ausmaß der doppelten Wanddicke aufweisen.

Mechanische Anforderungen
Die mechanischen Beanspruchungen können sowohl statisch (lotrecht und horizontal) als auch dynamisch (horizontal) sein.

Ein Nachweis kann für jene nichttragenden Innenwände entfallen, die als anerkannte Regelkonstruktion nach dem Stand der Technik betrachtet werden können (siehe Bewährte Systeme). Alle anderen Konstruktionen sind als Sonderfälle zu betrachten, deren Standsicherheit nach DIN 4103 Teil 1 nachzuweisen ist.

Nach DIN 4103, Teil 1, müssen nichttragende Innenwände und ihre Anschlüsse an angrenzende Bauteile folgenden Belastungen widerstehen:

    1. Horizontale Streifenlasten in einer Höhe von 90 cm über dem Fußpunkt der Wand. Diese Lasten sollen Beanspruchungen simulieren, die etwa in Hüft- oder Gesäßhöhe durch Menschengedränge hervorgerufen werden können. Dabei werden je nach Einbaubereich 2 Lastgrößen unterschieden:

Einbaubereich I:
Bereiche mit geringer Menschenansammlung, wie sie in Wohnungen, Hotel-, Büro- und Krankenräumen und ähnlich genutzten Räumen einschließlich der Flure vorausgesetzt werden müssen.

Linienlast p1 = 0,5 kN/m.

Einbaubereich II:
Bereiche mit großer Menschenansammlung, wie sie in größeren Versammlungsräumen, Schulräumen, Hörsälen, Ausstellungs- und Verkaufsräumen und ähnlich genutzten Räumen vorausgesetzt werden müssen. Hierzu zählen auch stets Trennwände zwischen Räumen mit einem Höhenunterschied der Fußböden 100 cm.

Linienlast p2 = 1,0 kN/m.

Statische Belastungen (nach DIN 4103, Teil 1)

  1. Leichte Konsollasten gemäß obenstehender Abbildung, unabhängig vom Einbaubereich von der Größe p = 0,4 kN/m im Abstand von 30 cm von der Wand. Diese Last kann von Bildern, Buchregalen, kleinen Wandschränken herrühren, deren Anbringung an jeder Stelle der Wand denkbar ist. Beim Spannungsnachweis der Wand selbst braucht die Last nicht in Ansatz gebracht zu werden, die daraus resultierenden Horizontalkräfte sind jedoch beim Nachweis der Anschlüsse zu berücksichtigen.
  2. Stoßartige Belastungen, die durch den Anprall eines menschlichen Körpers (weicher Stoß) oder harter Gegenstände (harter Stoß) verursacht werden. Der weiche Stoß kann als quasi-statischer Lastfall mit einer Energie von 100 Nm aufgebracht werden.
    Die Tragfähigkeit der Wand kann für die statische Horizontallast sowie für die Stoßbelastung durch den weichen Stoß rechnerisch oder durch Versuche nachgewiesen werden. Für den harten Stoß ist kein Nachweis der Gesamttragfähigkeit, sondern nur des Verhaltens hinsichtlich örtlich begrenzter Zerstörungen zu erbringen; der harte Stoß stellt für Trennwände in Massivbauweise keine kritische Beanspruchung dar. Ebenso kann davon ausgegangen werden, dass der weiche Stoß für Wände aus Mauerwerk keine im Einzelfall zu überprüfende Beanspruchungsart darstellt, wenn gleichzeitig die Bedingungen für die Biegegrenztragfähigkeit eingehalten sind.


Wandabmessungen

Laut ÖNORM B 3358-2 Nichttragende Innenwände-Teil 2: Systeme aus Ziegeln, gelten folgende Grenzabmessungen:

Einbaubereich I:
In Anbetracht der Funktionstauglichkeit können nichttragende Innenwandsysteme bei Verwendung von Normalmauermörtel unter Einhaltung der Regelwanddicken bei mindestens dreiseitiger Lagerung ohne Nachweis bis zu einer Höhe von 3,25 m und bis zu einer Länge von 6 m ausgeführt werden.

Einbaubereich II:
Für die Wandabmessungen gelten die gleichen Bedingungen wie für den Einbaubereich I, wobei die Mindestwanddicke im unverputzten Zustand 10 cm betragen muss.

Bei Nichtüberschreitung obiger Grenzabmessungen ist die Standsicherheit jedenfalls ohne rechnerischen Nachweis gewährleistet. Für nichttragende Innenwände mit größeren Abmessungen wurden im Rahmen eines Forschungsvorhabens in Deutschland ("Zur Tragfähigkeit von nichttragenden inneren Trennwänden" - Mauerwerkskalender 1986) Grenzabmessungen entwickelt, die als Hinweis auf die maximal möglichen Dimensionen - allerdings ohne jegliche rechnerische Sicherheit (Traglast) - derartiger Wandsysteme herangezogen werden können. Als unverbindliche Information dienen die Tabellen mit diesen Grenzabmessungen im Kapitel Grenzabmessungen.

Hinsichtlich der bauphysikalischen Anforderungen gelten die einschlägigen ÖNORMEN: ÖNORM B 3800 - Brandschutz, ÖNORM B 8110 - Wärmeschutz und ÖNORM 8115 - Schallschutz. Jedenfalls gelten die Mindestanforderungen gemäß untenstehender Tabelle.

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