Die Geschichte des Ziegels

 

IM ERSTEN BUCH MOSES STEHT:



„Wohlauf,

lasst uns Ziegel streichen und brennen!"
Und nahmen Ziegel zu Stein und Erdharz zu Kalk und sprachen:
„Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, dass wir uns einen Namen machen"!"

Doch zu Lebzeiten dieses Gesetzgebers hatte der Ziegel schon eine lange Geschichte; vielleicht ist er so alt wie die Menschheit selbst. Fest steht jedoch, dass der Ziegel bereits am Beginn der uns bekannten Kulturen verwendet wurde.




ANFÄNGE DER ZIEGELHERSTELLUNG:


In Ägypten wurde Nilschlamm mit etwas Kamelmist vermischt, in die gewünschte Form gebracht und in der Sonne getrocknet. Im Zweistromland Mesopotamiens wurden schon 4000 Jahre v. Chr. Ziegel gebrannt. 1000 Jahre später erreichte dort der Ziegelbau einen Höhepunkt. Damals konnte man Ziegel schon in den verschiedensten Farben herstellen. In diese Zeit fallen auch die ersten monumentalen Tempelbauten, wie der in Uruk. Um 2000 v. Chr. ist der Urbau des eingangs erwähnten Turmes zu Babylon entstanden, der mehrfach zerstört, aber ebensooft an derselben Stelle wieder aufgebaut wurde. Noch heute stehen in der Umgebung Häuser und Hütten, die aus den jahrtausendealten Ziegeln des Turmes zu Babel gebaut wurden. Die jetzt noch dort vorzufindenden Ziegel sind so hart und scharfkantig, als wären sie eben erst hergestellt worden.

 

 

 

 HOCHKULTUREN IM ZWEISTROMLAND:

 

Ausgrabungen in Babylon zeigen, dass allein der östlich des Euphrat gelegene Teil der Stadt eine Ausdehnung von vier Millionen Quadratmetern besaß. Geschützt wurde dieser Stadtteil von Ziegelmauern, deren Kronen von Viergespannen befahren werden konnten. Schon am Anfang der Hochkulturen im Zweistromland wurden Schmuckwände aus Ziegeln errichtet. Die hervorstechendsten Beispiele sind wohl die Prozessionsstraße vom Ischtar-Tor bis hin zur Stadt Bab-ili, die König Nebukadnezar errichten ließ, und der vom Perserkönig Darius I. um 500 v. Chr. erbaute Palast in Susa.

 

ZIEGEL IN ANDEREN KULTUREN:


Es würde zu weit führen, die Entwicklung des Ziegelbaues in den Kulturen Persiens, Indiens, Indochinas, Chinas und des islamischen Raumes zu beschreiben. Besonders die islamische Kultur hat es zu einer Meisterschaft in der ornamentalen Verwendung des Ziegels gebracht, die nie mehr erreicht wurde. Erwähnt soll noch werden, dass der Ziegel in China eine andere Entwicklung genommen hat: Hier wird erstmalig das Dach – und damit der Dachziegel – zu einem beherrschenden Element. Dem Dach fällt hier nicht nur die Aufgabe des Bedeckens und des Schützens zu, hier ist das Dach der eigentliche Bau selbst.

 

DER ZIEGEL IM ALTEN ROM:

 

Im gesamten Abendland wurde die Kunst der Ziegelherstellung von den Römern verbreitet. Wo immer ihre Feldzüge hinführten: den Ziegel brachten sie mit. Der praktische Sinn der Römer begriff sofort die Vorzüge des Ziegels für den Gewölbebau, wie zahlreiche, noch heute erhaltene Beispiele, beweisen. Mit der beherrschenden Stellung des Ziegels im Römischen Reich war er zum bevorzugten Baustein der gesamten Welt geworden.

 

ZENTREN DES ZIEGELBAUES IM MITTELALTER:

 

Im Mittelalter bildeten sich seit dem zwölften Jahrhundert die Lombardei, Frankreich und Deutschland als Zentren des Ziegelbaues aus. Der Ziegel fand von der Romanik über die Gotik bis zur Renaissance immer mehr Verbreitung. Herrliche Ziegelbauten aus Handschlagziegeln in allen Schattierungen finden sich vor allem in den nordeuropäischen Staaten, insbesondere in Norddeutschland, Belgien, Holland, Skandinavien und England.

 

DIE MASCHINELLE ZIEGELHERSTELLUNG:

Die maschinelle Ziegelherstellung führten als erste die Engländer ein. Bahnbrechende Entwicklungen in der Ziegelindustrie wurden aber in Deutschland gemacht: Die erste brauchbare Strangpresse des Berliner Fabrikanten Schlickeysen (1854) und der 1858 als preußisches und österreichisches Patent gemeldete Ringofen des Baumeister Friedrich Hoffmann.

 




ZIEGELHERSTELLUNG IN ÖSTERREICH:

 

In Österreich lag die Ziegelherstellung bis vor 200 Jahren zunächst in den Händen umherziehender italienischer Familien, die an Ort und Stelle Tonvorkommen suchten, die Ziegel herstellten und oft auch bei der Errichtung der Gebäude beteiligt waren. Ihr Einfluß ist noch heute u.a. an den ornamentalen Scheunengittern alter Bauernhäuser zu erkennen. Ziegelöfen wurden zunächst meist direkt bei den einzelnen Bauvorhaben errichtet und dienten nur für diese. Später hielten sich Grafschaften und Klöster ihre eigenen Ziegelwerke - ausschließlich für den eigenen Bedarf. Dies erklärt auch, dass man, historisch gesehen, in Summe von ca. 5.000 Ziegelwerken mit ca. 20.000 Ziegel alleine in Österreich ausgehen kann.

 

DIE INDUSTRIELLE ZIEGELHERSTELLUNG IN ÖSTERREICH:

 

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde auf Veranlassung von Kaiserin Maria Theresia der k.u.k. Ziegelofen am Wienerberg errichtet. In dieser Produktionsstätte wurden um 1780 bereits eine Million Mauerziegel jährlich hergestellt. Im Jahre 1820 wurden einige umliegende Werke angeschlossen und das Unternehmen produzierte 1849 bereits 30 Millionen Mauerziegel und vier Millionen Verblender. 1865 wurde mit dem Bau der ersten Ringöfen begonnen und zwei Jahre später beschäftigten die Wienerberger Ziegeleien schon 10.000 Arbeiter; damit war dieses Unternehmen die größte Ziegelei der Welt. Es wurden in dieser Zeit auch die ersten Versuche mit Pressen gemacht, die bis zur Jahrhundertwende den Jahresausstoß auf 225 Millionen Mauerziegel ansteigen ließen. Damit hat sich die Ziegelherstellung aber längst von der handwerklichen zur industriellen Fertigung entwickelt.

Geschichte