Baustoffe - Europäische Ziegelnorm EN 771-1 - Bedeutung

Bedeutung der Europäischen Normen
Im Gegensatz zu den traditionellen Produktnormen, die es in den meisten mitteleuropäischen Ländern, wie z. B. in Österreich oder Deutschland, in der Vergangenheit auf nationaler Ebene gab, sind die neuen europäischen Normen auf dem Deklarationsprinzip aufgebaut. Das bedeutet, dass die Norm nur festlegt, welche Eigenschaften des Bauproduktes vom Hersteller anzugeben sind, es aber im Regelfall keine Mindestanforderungen oder Grenzwerte gibt. Sehr wohl kann es jedoch Leistungsklassen (z. B. bei Abmessungs- oder Rohdichte-Toleranzen) geben. Die deklarierten Eigenschaftswerte sollen sich immer auf die Leistung („performance“) des Produktes im verarbeiteten Zustand beziehen, was allerdings bei Mauerwerk oft schwierig ist, da es sich bei Mauerwerk um eine Verbundbauweise (aus Mauersteinen und Mörtel) handelt.

In Österreich waren die meisten Normen in der Vergangenheit freiwillige Normen, die nicht baurechtlich verbindlich eingeführt wurden. Eine Ausnahme stellte hierbei das Land Steiermark dar, in dem die meisten Baunormen in der Bauordnung verbindlich erklärt wurden. In den letzten 3 Jahren hatte sich diese Situation durch die Einführung des ÜA-Zeichens als Einbauzeichen für Bauprodukte geändert. Da die einschlägigen Ö-Normen Grundlage des ÜA-Zeichens waren (z. B. die Ö-Norm B 3200 für das ÜA-Zeichen für Ziegel) war die Anwendung der Norm für die Verwendung der Produkte zwingend.

Im Jahr 2006 hat die EN 771-1 die alten Ö-Normen ersetzt (d.h. diese wurden vom Österreichischen Normungsinstitut zurückgezogen und die Europäische Norm wurde zur Ö-Norm EN 771-1) und ist in der Baustoffliste ÖE veröffentlicht und damit verpflichtend eingeführt. Zusätzlich gibt es eine freiwillige österreichische Restnorm (Restnorm B 3200), die die Umstellung auf das neue System erleichtert.

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