Bemessung - Horizontale Bemessung einer Wand

Horizontaler Bemessungswiderstand von Wänden aus Mauerwerk

Grundsätzlich sollte der horizontale Bemessungswiderstand von Wänden über eine ausreichende Anzahl von Versuchen ermittelt werden.
Da jedoch bislang kein international standardisiertes Prüfverfahren zur Ermittlung dieses horizontalen Bemessungswiderstandes zur Verfügung steht und auch eine große Menge an unterschiedlichen Kombinationen von Stein und Mörtel diesen Tests zugrunde gelegt werden müsste, wird hier ein näherungsweises Rechenverfahren angegeben, das sich in einigen europäischen Ländern zur Abschätzung bereits bewährt hat.

Es wird angenommen, dass die Verteilung von Schubspannungen in Wandlängsrichtung konstant ist. Für die aufnehmbare Schubkraft einer Wandscheibe wird nur jener Bereich berücksichtigt, der einer Normalkraftbeanspruchung (Druckbeanspruchung zufolge vertikaler Lasten) unterliegt. Die Ermittlung der Lastexzentrizität (Länge lc) kann bei Wänden aus Mauerwerk mit den charakteristischen Einwirkungen ( = 1,0) durchgeführt werden.

Hierin bedeutet:

fvk charakteristische Scherfestigkeit von Mauerwerk
t charakteristischer Wert veränderlicher Einwirkungen
lc Länge des von vertikalen Beanspruchungen überdrückten Teiles der Wand
M gemäß Abschnitt Bemessung Grundlagen


Übertragungsfläche der Scherkräfte

 

Charakteristische Scherfestigkeit fvk von Mauerwerk
Die charakteristische Scherfestigkeit von Mauerwerk resultiert aus dem Minimum der Versagensformen „Mörtelversagen“ und „Steinversagen“ sowie der Art der Ausbildung der Stoßfugen (vermörtelt oder unvermörtelt).

Bei vollflächig vermörtelten Stoßfugen gilt:

fvk= fvk,0 +0,4 · sigma10.gif (56 bytes)d klgl10.gif (58 bytes) 0,065  · fb

Bei unvermörtelten Stoßfugen gilt:

fvk= 0,5 · fvk,0 +0,4 · sigma10.gif (56 bytes)d klgl10.gif (58 bytes) 0,045  · fb

mit

sigma10.gif (56 bytes)d = NSd / lc · t

Hierin bedeutet:

fvk,0 charakteristische Anfangsscherfestigkeit von Mauerwerk
sigma10.gif (56 bytes)d mittlere rechnerische Druckspannung senkrecht zur Lagerfuge im überdrückten Bereich
fb Steindruckfestigkeit
NSd gemäß Abschnitt Bemessung Grundlagen (entsprechend den Einwirkungskombinationen nach Horizontale Bemessungsbeanspruchung einer Wand)


Charakteristische Anfangsscherfestigkeit fvk,0 von Mauerwerk
Die charakteristische Anfangsscherfestigkeit beschreibt das Mörtel-Versagen von Mauerwerk (bei fehlender Normalspannung) und kann entweder durch Versuche nach den ÖNORMEN EN 1052-3 oder EN 1052-4 ermittelt oder untenstehender Tabelle entnommen werden.


Charakteristische Anfangsscherfestigkeit

Mauersteinart

Normal-
Mörtel

Dünnbett-
Mörtel

Leicht-
Mörtel

1,0 klgl10.gif (58 bytes) fm
klgl10.gif (58 bytes) 2,0

2,0 < fm
klgl10.gif (58 bytes) 10,0

10,0 < fm
klgl10.gif (58 bytes) 20,0

fm grgl10.gif (58 bytes) 10,0

fm grgl10.gif (58 bytes) 2,0

Ziegel

0,10

0,20

0,30

0,30

0,15

Horizontaler Bemessungswiderstand von Wänden aus Mauerwerk